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Jazz Club Singen

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1998
 
| Maynard FergusonGünter LenzPeter FesslerSteve ColemanBley/SwallowString ThingMoscow Art TrioPieronczyk/MozdzerNguyên LêFranco AmbrosettiBobo StensonCarlo Actis DatoRay AndersonMichael/KlaiberSigi FinkelUnderkarlRicky FordTomasz StankoHoward JohnsonTrilok GurtuAbraham BurtonNils WogramSimon NabatovMotian/Frisell/LovanoFerenc SnétbergerCarla Cook |
 
 
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Freitag 04.12.1998 - 20:30 Uhr
 
MAYNARD FERGUSON & »The Big Bop Nouveau Band«
 
MAYNARD FERGUSON (Leader/Trumpet), SCOTT ENGLEBRIGHT (Trumpet), CARL FISCHER (Trumpet), JAY ROBERTS (Trumpet), TOM GARLING (Trombone), MATT WALLACE (Saxophone), SAL GIORGIANNI (Saxophone), RON OSWANSKI (Piano), PHIL OSWANSKI (Bass), TONY PIA (Drums)
 
Der Glanz eines Zauberers umgibt ihn, er ist ein Mensch mit einem Geheimnis, seiner verblüffenden Fähigkeit scheinbar mühelos die höchsten Trompetentöne zu blasen, eine freudig erregte Hochspannung zu erzeugen, die seine zumeist um zwei Generationen jüngeren Mitglieder mitreisst, und der sich auch der Hörer nicht entziehen kann. Der bereits 70jährige MAYNARD FERGUSON hat immer wieder betont, dass er ein "man of change", eine Musikerpersönlichkeit ist, die sich ständig wandelt und daraus immer wieder neue Anregungen zu schöpferischer Betätigung bekommt. Dass Ferguson eine geborene, starke Führungspersönlichkeit ist, hat Stan Kenton bei dem damals 22jährigen Trompeter schon gespürt, und er sagte dem aussergewöhnlich talentierten jungen Mann eine grosse Karriere als Bandleader voraus. Wie kein zweiter versteht er es seine hervorragend geschulten Musiker, die oftmals aus der North Texas State University kommen, zu motivieren. Nach Ausflügen in andere Musikstile griff er ungefär um seinen 60. Geburtstag herum wieder auf seine Wurzeln zurück und formierte seine BIG BOP NOUVEAU BAND. Und sie erwies sich in den jetzt zehn Jahren ihres Bestehens als die aufregendste, präziseste und mitreissendste Big Band Formation der heutigen Szene, was sie vor Jahren schon einmal in Singen auf dem Hohentwiel unter Beweis gestell hat - ein für alle unvergessenes Konzert. Die Zeitschrift Stereo schreibt über seine Live-CD *Footpath Cafe*: "Da wird geswingt, balziger Bebop intoniert und zum Glück nicht einmal ansatzweise in Richtung Fusion geschielt. Satte Bläsersätze, durchtriebene Arrangements und herzhaft erfrischende Soli runden das mehr als einfach nur überzeugende Ergebnis ab. Sicher, man kann Bigband-Jazz experimenteller, im modernen Mainstream-Rahmen aber wohl kaum besser servieren."
 
 
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Donnerstag 26.11.1998 - 20:30 Uhr
 
GÜNTER LENZ »Springtime«
 
GÜNTER LENZ (Bass), CLAUS STÖTTER (Trompete/Flügelhorn), ERNST LUDWIG PETROWSKY (AltSax/Flöte), GEBHARD ULLMANN (TenorSax/BassKlarinette), BOB DEGEN (Piano), THOMAS CREMER (Schlagzeug)
 
Mit dieser Formation kommt die Creme der deutschen Jazzszene nach Singen. GÜNTER LENZ, der dieses Jahr seinen sechzigsten Geburtstag feiern konnte, war Bassist im legendären Albert Mangelsdorff Quartett der sechziger Jahre. Er versteht es, mit seiner eigenen Gruppe *SPRINGTIME*, die er nach längerer Pause im Jahre 91 wieder neu zusammengestellt hat, immer wieder neue, zeitgemässe Impulse zu setzen. "Das ist im besten Sinne zeitgenössischer, vieldimensionaler Jazz voller Neugierde, Spielwitz und Entwicklungspotential." (Jazzpodium) Mit ERNST LUDWIG PETROWSKY hat er die zentrale Figur der ehemaligen DDR-Jazzszene dabei. Ein Bläser, der mit eigenwilligen Ideen und Expressivität schon fast zur Legende wurde und immer noch mit Kraft und Begeisterung sowie einer gehörigen Portion Humor sein Publikum begeistert. Aus der grossen Zeit des hessischen Rundfunkensembles hat Lenz den Ausnahmepianisten BOB DEGEN und den Schlagzeuger THOMAS CREMER übernommen. Musiker, die in allen Stilarten des Jazz zu Hause sind, die souverän und überzeugend auch die schwierigsten Arrangements meistern, aber auch solistisch etwas zu sagen haben. Trompeter CLAUS STÖTTER und Saxophonist GEBHARD ULLMANN repräsentieren die junge Generation der deutschen Szene. Mit perfekter Technik und Kenntnis der historischen Entwicklung verfügen sie über die unterschiedlichsten Ausdrucksmöglichkeiten. Das Ensemble musiziert im Geist des unvergessenen Charles Mingus, Klangfarben und dynamische Aspekte stehen im Mittelpunkt: Da wechseln lyrische Passagen mit lautstarkem Fortissimo, einem leisen Pianosolo im Stil von Keith Jarrett folgt unvermittelt der geballte Klang des dreistimmigen Bläsersatzes, ein swingendes Pianotrio steht neben freien Ausbrüchen in die Gefilde des Free Jazz. "Mit variantenreichen Kompositionen, deren Stimmungslage von den zarten Tönen bis hin zu exotischen Rhythmen reicht, und auf einem auf wirkungsvolle Impulse ausgerichteten Bassspiel, beschert Günter Lenz' "Springtime-Ausgabe" ein quicklebendiges musikalisches Frühlingserwachen." (Jazzthetik)
 
 
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Mittwoch 18.11.1998 - 20:30 Uhr
 
PETER FESSLER Trio
 
PETER FESSLER (Gesang), BERTHOLD MATSCHAT (Piano), CHRISTIAN VON KAPHENGST (Bass), GUIDO JÖRIS (Drums)
 
Als die Zeitschrift Audio über PETER FESSLER anlässlich der Veröffentlichung seines ersten Albums Foot Prints feststellte, dass es nur eine Frage der Zeit sein könne, bis der Kölner Sänger in die internationale Gesangselite aufrücken würde, war das nur eine von unzähligen begeisterten Reaktionen. Obwohl von vielen sofort als "Der Jazzsänger hierzulande" kategorisiert, war das lediglich eine Teilbetrachtung des Künstlers Peter Fessler, der nicht nur in der Lage ist, sich souverän zwischen den Polen Pop und Jazz zu bewegen, sondern auch brasilianische Rhythmen und Melodien verarbeitet und klassische Einflüsse wie selbstverständlich einfliessen lässt. Zweifellos ist er eine Ausnahmeerscheinung, ein Vokalakrobat, doch seine virtuose Technik ist stes dem musikalischen Ziel untergeordnet, Scat-Gesang und Instrumenten-Interpretationen dienen immer dem Zweck, eine eigenständige, bis ins Detail stimmige Interpretation zu schaffen. Bekannt wurde Fessler in den 80er Jahren als Stimme der Latin Jazz Formation Trio Rio. Nach einigen Jahren Aufenthalt in den USA spielte er dann mit Foot Prints sein erstes konsequentes Jazzalbum ein. Letztes Jahr erschien dann auf dem deutschen Label MINOR MUSIC sein zweites Album *Colours of my Mind*. Klassiker der Jazz-Geschichte und Juwelen des American Songbook erstrahlen in den Interpretationen von Fessler frisch und zeitgemäss, die Freiheit des Improvisierens und die ausgefeilte Vokal-Technik treffen sich mit der Grösse von Kompositionen wie Cole Porters unsterblichem *Just one of those Things*, Billy Strayhorns *Lush Life* oder dem lebendigen *One Note Samba Waltz* von A.C. Jobim. Der Einstieg in das Album, die Fessler Komposition *Nothing but the Truth* lässt Reminiszenzen an alte Chick Corea/Gary Burton Aufnahmen aufkommen. Begleitet wird er beim Jazz Club Singen von dem Trio, dass mit ihm auch die CD eingespielt hat: Am Piano BERTHOLD MATSCHAT, am Bass CHRISTIAN VON KAPHENGST und am Schlagzeug von GUIDO JÖRIS. Zum Schluss sei noch bemerkt, das Peter Fessler dieses Jahr auf dem Montreux Jazzfestival zusammen mit dem amerikanischen Superstar Al Jarreau aufgetreten ist; wenn das keine Empfehlung ist?
 
 
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Freitag 13.11.1998 - 20:30 Uhr
 
STEVE COLEMAN & »Five Elements«
 
STEVE COLEMAN (AltoSax), ANTHONY TIDD (Bass), SEAN RICKMAN (Drums), ANGA (Percussion), ROSANGELA SILVESTRE (Dance)
 
Einer der ganz Grossen des neuen amerikanischen Modern Jazz, der Altsaxophonist STEVE COLEMAN, kommt mit seiner neu formierten Gruppe FIVE ELEMENTS, zu der auch die Tänzerin ROSANGELA SILVESTRE gehört, zum erstenmal zum JazzClub Singen. Am Bass bringt er ANTHONY TIDD mit und für den ständig groovenden Rhythmus dieser Ausnahmegruppe sorgen der Schlagzeuger SEAN RICKMAN und der aus Kuba stammende Percussionist ANGA. Ein Szenario aus Funk, Hip Hop Beats und Abstechern in die rhythmische Vielfalt Lateinamerikas sowie perkussive afrikanische Muster bilden die Basis für die eigenständigen Improvisationen von Steve Coleman: "Wenn ich spiele, dann empfinde ich das so, wie wenn ich sprechen würde." Und das Vokabular dazu setzt sich aus abstrahiertem Rhythm&Blues, Bebop, Soul Jazz, und sparsam eingesetzter freier Assoziation zusammen. Der starke rhythmische Puls stand schon immer im Zentrum von Colemans Konzepten. Nachdem er einen Crash-Kurs in Sachen "Modern Jazz" bei dem legendären Chicagoer Tenoristen Von Freenam absolviert hatte, ging er '78 nach New York. Seine Lehrzeit verbrachte er dort in den BigBands von Thad Jones/Mel Lewis, Sam Rivers und Cecil Taylor. Zum eigenen Sound fand er jedoch erst in der Zusammenarbeit mit dem Schlagzeuger Doug Hammond. 1986 gründete er die FIVE ELEMENTS, eine in wechselnder Besetzung bis heute bestehende Band, die sich ein einem ständigen Prozess mit allen Richtungen der "Black Music" auseinandersetzt. Coleman gilt ausserdem als Kopf der "M-Base" Musiker (Macro Basic Array of Structural Extemporisation), deren Grundgedanke vereinfacht ausgedrückt der ist, dass stilistische Offenheit und musikalische Freiheit nur innerhalb klarer Strukturen möglich sind. Joachim Ernst Behrendt schrieb: "Steve Coleman ist von allen postmodernen Altsaxophonisten der rhythmisch vitalste, hat einen hochkomplizierten, wuchtigen Free-Funk entwickelt, der die statischen, quadratischen Formen des Jazz Rock durchbricht und diese mit Überlagerungen von asymmetrischen Melodien und Rhythmen zu grösserer Beweglichkeit führt - und doch die motorische Kraft und den Druck des originären Street Funk besitzt." Aktuelle CD: *Genesis & the Opening of the Way* (RCA/BMG), Bewertung Jazzthetik: 5 Sterne!!!
 
 
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Donnerstag 29.10.1998 - 20:30 Uhr
 
CARLA BLEY & STEVE SWALLOW »Duets«
 
CARLA BLEY (Piano), STEVE SWALLOW (Bass)
 
Der Jazz Club erfüllt sich einen langgehegten Wunsch und präsentiert zum ersten Mal die Pianistin und vor allem Komponistin CARLA BLEY, von der man mit Recht behaupten darf, dass sie die Ausnahmeerscheinung unter allen komponierenden Damen des Jazz ist und das seit nunmehr vielen Jahren. Sie kommt mit ihrem Lebenspartner dem Elektrobassisten STEVE SWALLOW, der bereits einmal mit seinem eigenen Quintett in Singen auftrat. "Auch wenn es wie eine Floskel klingt: Carla Bley und Steve Swallow führten eine Musik auf, die ergreifend ist und schön, deren Töne von innen wärmen. Melancholie, verhaltene Freundlichkeit und Trost, all dies steckt in den oft bittersüssen Kompositionen von Carla Bley. Hinzu kommt ein blindes Verständnis beim Wechsel von Führung zu Begleitung des jeweils anderen." (Mannheimer Morgen) Ihr zweites Duo Album auf WATT-Records trägt den schlichten Namen *Duets*. Piano und Bass produzieren darauf suitenhafte Vorstellungen, intime Sequenzen, mit Sanftheit und - Carla hat es nicht verlernt, einem Schuss Ironie. Witz, Ironie und sanfte Verspieltheit, manchmal etwas verquirlt, erzeugen eine gewisse Spannung, die die Einspielung äusserst hörenswert macht. Beide versuchen, etwas zum Vorschein zu bringen, was sie nicht nur durch ihre kompositorischen Fähigkeiten ausdrücken können, sondern durch ihre facettenreiche Einstellung zur Musik und zu sich selbst. Alles auf der Basis gemeinsamer Empfindungen und Phantasien, die sich fruchtbar als feinsinnige Pianoakkorde und sanfte Basslinien auswirken. Wichtig dabei ist vor allem, dass Emotionalität und Empfindungen nicht schmalzig kommerziell, zu transparent werden. Der Hörer bekommt vermittelt, wichtig sind die leisen Töne in einer manchmal viel zu lauten Welt.
 
Dem Jazz Club Singen steht ein grosser Abend bevor!
 
 
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Sonntag 25.10.1998 Matinée - 11:00 Uhr
 
»STRING THING« Das Streichquartett der anderen Art
 
NICOLA KRUSE (Violine), SUSANNE PAUL (Cello), MIKE RUTLEDGE (5-saitite Viola), FRANK SKRIPTSCHINSKI (Kontrabass)
 
STRING THING - schon auf den ersten Blick kein gewöhnliches Streichquartett, denn allein die Besetzung zeigt eine leichte Abwandlung: es fehlt die Zweite Geige. Ein Kontrabass verleiht dem Ensembleklang seine besondere Farbe. 1990 gründeten die MusikerInnen das "Streichquartett der anderen Art", um eine neue Form der Kammermusik zu entwickeln. Die Verbindung klassischer Ausbildung mit spieltechnischen Experimeneten bildet die Grundlage für das Ausleben eigener Klangvorstellungen. Improvisation eingebunden in Eigenkompositionen gehört ebenso dazu wie das Spiel ohne Notenpulte und die spontane Kommunikation. Die so entstehenden facettenreichen Klänge lassen die ZuhörerInnen niemals unbeteiligt an den lebendigen und verspielten musikalischen Ereignissen. Die Musik begeistert durch die abwechslungsreiche Mischung unterschiedlichster Musikstile, bei der das Motto gilt: "Alles ist möglich - doch nichts ist beliebig." Traditionelle Musik, Jazz, Avantgarde und Pop finden sich in der Musik des Ensembles wieder. Ein Kaleidoskop stilistischer Elemente prägt seine ganz eigene musikalische Sprache, die gleichermassen verspielt und streng ist. Musikalische Sensibilität, Humor und Ironie verbinden sich bei diesen Musikern. Sie wissen Klischees geschickt zu nutzen, sie musikalisch aufzulösen und in neue Qualitäten zu überführen. Ihre Musik ist nicht mit oberflächlichem "Crossover" zu verwechseln. So findet sie sowohl im traditionellen Konzertfeld als auch im Jazz-Bereich begeisterte Aufnahme in allen Altersschichten. Mittlerweile ist das Ensemble mit Ehrungen und Preisen für seine Kompositionen und Interpretationen nur so überhäuft worden - unter ihnen der Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Der Jazz Club freut sich, diese Gruppe bereits zum zweiten Mal präsentieren zu können, und ist sicher, dass es auch diesmal wieder ein herausragendes Musikerlebnis werden wird.
 
 
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Mittwoch 14.10.1998 - 20:30 Uhr
 
MIKHAIL ALPERIN's »Moscow Art Trio«
 
MIKHAIL ALPERIN (Piano/Melodica/Vocals), ARKADY SHILKLOPER (FrenchHorn/Vocals), SERGEY STAROSTIN (Clarinet/FolkReeds/Vocals)
 
Russisch bis in die Zehenspitzen, jazzig bis zum Haaransatz, folkig im Blut und kammermusikalisch-neutönerisch in den Hirnwindungen. Es sind märchenhafte, gleichzeitig angenehm vertraute und seltsam fremde Klangbilder, die der bessarabische Komponist und Pianospieler MIKHAIL ALPERIN entwirft. Im Trio mit dem virtuosen, gläsern intonierenden Waldhornspieler und Ex-Mitglied des Bolschoi-Orchesters ARKADY SHILKLOPER und dem stimmgewaltigen Sänger SERGEJ SAROSTIN entsteht beseelte Musik - erregend, ausgelassen, gelegentlich ironisch neckend oder theatralisch verspielt. Weltmusik voller Zauber und Flair. Als MOSCOW ART TRIO trumpfen die drei mit einem einzigartigen Mix aus Folklore, Neuer Musik und Jazz auf. Das tönt schräg, virtuos, humorvoll, manchmal überkandidelt und macht Spass. Dixie-Dilettanten, Swing-Simulanten, Bebop-Banausen, Free-Faker - die Urteile über das Gros osteuropäischer Jazzer sind hart. Wahrscheinlich aber auch gerecht. Denn wer sich nur im Kopieren anderer Kulturen erschöpft, besitzt ganz offenbar wenig Zutrauen in die eigene Originalität. Kluge Vertreter der Zunft haben dies längst erkannt und den Begriff "Moderne Musik" mit Hilfe ihres Erbgutes definiert. Jazz bildet für Alperin und seine beiden Kumpanen zweifellos die Basis. Doch so konsequent wie das Moscow Art Trio hat noch niemand zuvor Folklore- und Klassikelemente in Bluesformen verwoben. Wenn die drei augenzwinkernd Grenzen niederreissen, wirkt dies nie konstruiert, sondern spontan, aufregend und irgendwie immer klug. Ihre Offensive aus Minimalismus, Volksliedern, jiddischen Weisen, Dorftratsch und unverschämt penetrant retardierenden Pianopatterns sorgt endlich für frischwürzigen Wind im europäischen Jazzeinerlei. "Den Höhepunkt bei den Jazztagen im Theaterhaus Stuttgart 1997 haben die Besucher mit dem grandiosen *Moscow-Art-Trio* erlebt. Sie leben Musik und diese ist höchst interessant, virtuos und zugleich gepflegt. Die Stücke wären auch bierernst gespielt ein Hochgenuss gewesen. Doch auf Museumsathmosphäre hatten die drei Musiker keine Lust. Mit Glöckchen wurden imaginäre Lämmer und Kälber angelockt, ein Streit über die richtigen Notenblätter kulminierte in einem A-Cappella-Stück der besonderen Art, und wie sich Alperin mit einer kleinen Melodie gegen alle Widerstände seinen höchst amüsanten Weg bahnte, das hatte clownesken Charme. Die Folge: Euphorische Beifallsstürme für Folk-Jazz, der zum Glück in keine Schublade passt." (Schwäbische Donauzeitung)
 
 
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Sonntag 11.11.1998 Matinée - 11:00 Uhr
 
ADAM PIERONCZYK & LESZEK MOZDZER
 
ADAM PIERONCZYK (Soprano/Alto/TenorSax), LESZEK MOZDZER (Piano)
 
Auf der ersten Sonntagsmatinee in der diesjährigen Ausgabe der Singener Jazzaspekte präsentiert der Jazz Club in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei Singen im Rahmen der "Woche der osteuropäischen Literatur" ein aussergewöhnliches Duo aus Polen: Den Pianisten LESZEK MOZDZER und den Multisaxophonisten ADAM PIERONCZYK. Sie spielen seit '96 zusammen und es verbindet sie nicht nur echte Freundschaft, sondern auch gemeinsame Faszination, ein ähnliches musikalisches Empfinden und eine beinahe metaphysische Verständigung auf der Bühne. Ihre Musik bezeichnen sie als "modernen, improvisierten Kammeralsismus", in dem sie hin und wieder das eigentümliche des reinen Jazz verlassen und sich in Richtung free-Sound bewegen oder sogar zur Ästhetik im Grenzbereich zwischen Jazz und der sog. ernsten Musik hin. LESZEK MOZDZER (geboren 1971) gilt allgemein als die Offenbarung des polnischen Jazz der letzten zehn Jahre. Er hat mit vielen Grossen des polnischen und internationalen Jazz zusammengespielt. Ende September gab er mit dem Pianostar Michel Petruciani in Danzig ein Duokonzert - wenn das allein nicht Empfehlung genug ist... Fünf mal wurde er zum Jazzmusiker des Jahres in Polen gewählt und seine Platte *Talk to Jesus* im Jahr '96 zur besten des Jahres. ADAM PIERONCZYK (geboren 1970) ist eins der originellsten und grössten Talente des polnischen Jazz der letzten Jahre. In den Jahren 88-96 lebte er in Deutschland und studierte in Essen an der Musikschule Saxophon. 1997 wurde er zur "Neuen Hoffnung" in der Leserumfrage der Zeitschrift JazzForum ernannt. Seine Debütplatte *Few Minutes in the Space* erhielt die höchsten Notierungen in der Presse.
 
IN ZUSAMMENARBEIT MIT DER STADTBÜCHEREI SINGEN
 
 
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Freitag 02.10.1998 - 20:30 Uhr
 
NGUYÊN LÊ »Trio Sand«
 
NGUYÊN LÊ (Guitar), RENAUD GARCIA-FONS (Bass), TINO DI GERALDO (Drums)
 
"So wie er, mit dieser durch Pausen hochgespannten Rock-Bissigkeit, den wie aus buddhistischen Ritualen herüberwehenden Ruf-Motiven und den merkwürdigen Überleitungsschleifen, spielt kein anderer Mensch Gitarre", schrieb der renommierte Jazzkritiker U. Olshausen in der FAZ über die Deutschlandpremiere des vietnamesischen, in Paris lebenden Gitarristen NGUYÊN LÊ auf dem Jazz-Festival Berlin. Seitdem hat er mehrere hochgelobte CDs veröffentlicht. Im Herbst 97 sein letzter Wurf *Three Trios* (ACT Records) und mit einem dieser drei Trios kommt er nach Singen zum Jazz Club. Am Bass der Ausnahmemusiker RENAUD GARCIA-FONS und am Schlagzeug der Spanier TINO DI GERALDO. Dieses Zusammentreffen provoziert bei dem graduierten Kunstwissenschaftler und Philosophen Nguyên Lê das Bild vom *SAND*. "Wüstensand, in dem Musikerträume verwehen. Ein Trio, das völlig aus dem Rahmen fällt. Teilweise akustisch und versonnen. Renaud mit seinem unglaublich schönen Arco-Spiel und Tino mit seinen farbigen Percussions kehren meine ethnische Seite heraus. Nimm den Titel *Idoma*, das ist der Name eines nigerianischen Stammes. Einige ihrer Masken zeigen Gesichter mit geschlitzten Augen und weisser Haut. Streng genommen sehen sie aus wie Asiaten, aber eigentlich gibt es da keine echte Gemeinsamkeiten. Dennoch klingt der Song sehr asiatisch, obwohl er als Grundlage eine Pygmäen-Melodie besitzt." Soweit Nguyên Lê über seine Musik. Für ihn ist Jazz Freiheit, Kreativität, spontane Reaktion und Kommunikation. Ständig schwebt seine erstaunlich wandelbare Gitarre über der Musik. Mal sphärisch gleitend, nebelverhangen, dann wieder psychedelisch aufbrausend, gefährlich wie eine martialische Kreissäge, entspannt bluesig, mit rasant phrasierten Singlenote-Linien oder naiv schön - was Journalisten früher abfällig als Universalklonung abtaten, summiert sich heute zu einer höchst eigenständigen und -willigen Stilistik. Der technisch über jeden Zweifel erhabene Autodidakt fummelt sich nicht etwa an seinem Gitarren-Synthesizer, seinem MIDI-gesteuerten Instrument oder seinem "Jaulhaken" zu Tode, sondern kontrolliert mit diesem High-Tech-Repertoire sowie dosierten Millimeter-Bewegungen des Plektrums die jeweilige Dynamik absolut meisterhaft. "Dem vietnamesischen Shooting-Star auf all seinen Pfaden zu begleiten, bereitet nicht nur eine Menge Spass, sondern garantiert auch etliche mustergültige Paradebeispiele in Sachen Ensemble-Spiel." (Jazzthetik, Fünf Sterne!)
 
MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG INSTITUT FRANCAIS, FREIBURG
 
 
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Freitag 25.09.1998 - 20:30 Uhr
 
FRANCO AMBROSETTI Quintett
 
FRANCO AMBROSETTI (Flügelhorn), GIANLUCA AMBROSETTI (SopranSax), ANTONIO FARAÒ (Piano), MARCO VAGGI (Bass), ALESSIO PACIFICO (Drums)
 
Ein Instrument erhält seine Rolle in den Strukturen des Jazz immer noch von den Persönlichkeiten, die es bedienen. Ganz im Gegensatz etwa zum Tenorsaxophon ist die Trompete wegen ihrer reichen Ausdruckspalette mit ihrem Latein noch lange nicht am Ende. Einer, der dies immer wieder unter Beweis stellt ist, der Flügelhornist und Komponist FRANCO AMBROSETTI, der seit Anfang der sechziger Jahre zu den führenden Musikern des europäischen Modern Bop gehört. Nach fünfjähriger Pause hat er endlich wieder eine neue CD eingespielt *A Light Breeze* (Enja Records). Vor der Aufnahmesitzung lud er noch einmal jedes Bandmitglied zur Einzelprobe, ganz der alte Soundarchitekt, der weniger an einer bestimmten Note als vielmehr an einem überzeugenden sophisticated-melodischen Gesamteindruck feilt. "Franco Ambrosetti schmiegt seine Linien balladesk, kontrolliert und mit verhaltenem Überschwang, folgt den verhallenden Tönen gerne in die Ferne, um sich jedoch immer wieder von trockenen Bluesakkorden auf den Boden des Mainstream zurückholen zu lassen." (Jazzthetik, 4 Sterne). Der 1941 in Lugano geborene Ambrosetti ist aber nicht nur ein herausragender, einfühlsamer Flügelhornist, sondern auch ein ebenso bemerkenswerter Komponist. Seine Fähigkeit, auf eine schöpferische Art und Weise zu komponieren, hat er in seiner seit vielen Jahren andauernden Zusammenarbeit mit George Gruntz gelernt. Hat er in den sechzigern seine Karriere als Begleiter seines Vaters Flavio Ambrosetti begonnen, so bringt er nun wiederum seinen Sohn, den Sopransaxophonisten GIANLUCA AMBROSETTI, mit. Begleitet werden die beiden von dem seit Jahren bestehenden Trio des italienischen Pianisten ANTONIO FARAÒ. Den Bass zupft MARCO VAGGI und am Schlagzeug sitzt ALESSIO PACIFICO.
 
 
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Mittwoch 16.09.1998 - 20:30 Uhr
 
BOBO STENSON Trio
 
BOBO STENSON (Piano), ANDERS JORMIN (Bass), JON CHRISTENSEN (Drums)
 
Der schwedische Pianist BOBO STENSON war bereits zweimal beim Jazz Club Singen zu Gast: vor Jahren mit dem Charles Lloyd Quartet und im Mai diesen Jahres mit dem Tomasz Stanko Sextett. Beide Konzerte gehören ohne Übertreibung zu den absoluten Höhepunkten der bisherigen Konzerte des Jazz Clubs und werden neben wenigen anderen immer in Erinnerung bleiben. Grossen Anteil daran hat eben dieser Bobo Stenson, der seit nunmehr drei Jahrzehnten zu den profiliertesten und eigenständigsten Musikern der europäischen Jazzlandschaft gehört. Sein Name ist - wie der des Drummers JON CHRISTENSEN -eng mit der ersten ECM-Stunde verbunden. Für das Profil und die Geschichte dieses Labels leistete ihre musikalische Arbeit entscheidenden Beitrag. Stensons jüngste CD-Veröffentlichung auf ECM *WAR ORPHANS* ist seine dritte Einspielung unter eigenem Namen. Begeistert rühmte die internationale Kritik die lyrische Dichte und rhythmische Spannung sowie eine beeindruckende Harmonie im Interplay der Musiker, zu denen noch der Bassist ANDERS JORMIN (ebenfalls Mitglied bei Charles Lloyd) gehört. Die Zeitschrift Stereo wählte eben diese CD zur Jazz CD des Monats April!! Wenn man Stenson mit seinem Trio hört, beeindruckt er durch sein reflektierendes Spiel, ein freies Rhapsodieren und subtilen Swing. Freilich haben gerade Pianisten ein fast unübersehbares Gebirge von Vorbildern vor sich, an deren Einflüssen sie kaum vorbei kommen. Da sind z.B. die Phantasien von Keith Jarrett, die harmonischen Freiheiten von Paul Bley, das interaktive Spiel von Bill Evans und, was Saxophonisten betrifft, die meditationsnahe, spirituelle Einstellung von Charles Lloyd. Aber Stenson vermag all diese Einflüsse zu bündeln und eine eigene, stark klangmalerisch bestimmte Duftnote hinzuzufügen. So lässt er uns den Kosmos erahnen, der Geschichte des Jazzklaviers innewohnt. Das thematische Material benutzt der Schwede dabei lediglich als Ausgangsmaterial, als Startrampe. "Eine überzeugende und reife Dichte, wie sie von der Musik des Trios ausging, kann nur von grossartigen Solisten hervorgebracht werden und basiert auf einer jahrelangen und profunden Kenntnis des anderen. Daher wurden die Erwartungen, die in dieses Konzert gesetzt worden waren, mehr als erfüllt." (Badische Zeitung)
 
 
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Donnerstag 27.08.1998 - 20:30 Uhr
 
CARLO ACTIS DATO Quartet
 
CARLO ACTIS DATO (Tenor/BaritonSax), PIERO PONZO (AltoSax/Clarinet), ENRICO FAZIO (Bass), FIORENZO SORDINI (Drums)
 
Als Veranstalter von Jazzkonzerten wird man regelmässig mit DemoTapes und CDs versorgt, so dass man fast kaum in alles reinhören kann. Doch immer wieder passiert es, dass man auf einmal die Ohren spitzt und genauer hinhört und diese CD nochmal und nochmal auflegt, bis man dann entscheidet, jawohl diese Band kommt zu einem Konzert. So geschehen mit der CD *BLUE CAIRO* des italienischen Quartetts des Saxophonisten CARLO ACTIS DATO. Dieses Quartett zählt zu den originellsten und witzigsten Gruppen der aktuellen italienischen Jazzszene. Seine Wurzeln liegen gleichermassen im Jazz wie in der unerschöpflichen Folklore der mediterranen und nahöstlichen Kulturen, die mal 'funky', mal ironisch gebrochen, mal durch feurige Latinhymnen verfremdet, auftauchen. Hinzu kommt eine gehörige Portion Humor, der die Musik der vier auszeichnet. In ihrem Spiel verknüpfen sie thematisches, oft liedhaftes Material mit freien Improvisationen und Klangerkundungen. Eine szenische Umsetzung des musikalischen ergibt sich wie von selbst aus der Mentalität der Beteiligten, so dass sich die Bühne zugleich in einen Spielraum für Theatralisches verwandelt. Anspruch und Unterhaltung, Jazz und Folkloristisches, Spielfreude und Amusement fliessen auf natürliche Weise zusammen. Nicht selten ist Ironie und Humor im Spiel. Und was die Bühnenshow anbelangt, so darf man sich auf einiges gefass machen... Der Saxophonist und Bassklarinettist CARLO ACTIS DATO, der u.a. auch Mitglied im "Italian Instabile Orchestra" ist, das die führenden italienischen Bandleader vereinigt, wird dabei kongenial begleitet von dem Saxophonisten/Klarinettisten PIERO PONZO, dem Bassisten ENRICO FAZIO und dem Drummer FIORENZO SORDINI. "Die italienische Stimmung verbreitete das Carlo Actis Dato Quartett, das im Grenzbereich zwischen volksmusikalischen Traditionen, Rumba, Samba, Klezmer, Tango und Jazz glühendes Temperament und ungebrochene Lebensfreude versprühte." (Jazz Podium) Genau das Richtige für einen schönen Sommerabend im August beim Jazz Club Singen.
 
 
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Donnerstag 09.07.1998 - 20:30 Uhr
 
RAY ANDERSON's »Lapis Lazuli Band« feat. AMINA CLAUDINE MYERS
 
RAY ANDERSON (Trombone/Vocals), AMINA CLAUDINE MYERS (HammondOrgan/Piano/Vocals), JOE BECK (Guitar), GREGORY JONES (Bass), CECIL BROOKS III (Drums)
 
RAY ANDERSON ist nicht nur ein Ausnahmemusiker auf seinem Instrument und ein hervorragender Komponist und Bandleader, sondern er ist auch der erste Musiker, der in der neunjährigen Konzerttätigkeit des Jazz Club Singen bereits zum vierten Mal auf die Gemsbühne kommt. Wenige verstehen es so wie er, immer wieder neue von der Instrumentierung aber auch vom musikalischen Inhalt her interessante Gruppen auf die Beine zu stellen. Zuerst war er bei uns mit seinem Quartett, dann mit der Alligatory Band und letztes Jahr mit der Pocket Brass Band. Nun hat er wieder ein neues Projekt, das er *LAPIS LAZULI BAND* getauft hat, auf die Beine gestellt. Dieses Projekt widmet er dem leuchtend blauen Edelstein Lapislazuli - sein Sinnbild für den Blues. Aber wie man es von Anderson erwarten kann, ist es keine stereotype Aufarbeitung ausgelatschter Bluespfade, sondern eine ganz persönliche Widmung an die Musik, mit der er in seiner Jugendzeit in Chicago aufgewachsen ist. Er konfrontiert seinen Blues mit verschiedenen anderen Stilen: vom swingenden Jazz über den Südstaaten-Blues bis hin zu Latin Rhythmen. "Der Zauber des Jazz hat sehr viel mit der Alchemie des Blues zu tun; je mehr du deine Gefühle ausdrückst, seien sie fröhlich oder traurig, glücklich oder schmerzhaft, umso besser fühlst du dich danach." Und wieder hat er eine grossartige Besetzung gefunden, die perfekt zu seinem musikalischen Konzept passt. Die grosse aus Chicago stammende Pianistin/Hammondorganistin und Sängerin AMINA CLAUDINE MYERS. An der Gitarre JOE BECK. Er war der erste Gitarrist, den Miles Davis jemals in eine seiner Bands aufnahm. Am Bass sein alter Weggefährte aus Alligatory Tagen, GREGORY JONES und am Schlagzeug CECIL BROOKS III u.a. Schlagzeuger bei der Mingus Dynasty.
 
 
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Sonntag 05.07.1998 Matinée - 11:00 Uhr (bei schönem Wetter im Gems-Biergarten)
 
»OUT OF NOWHERE«
 
FRANK MICHAEL (Gitarre), GERMAN KLAIBER (Bass)
 
Out of Nowhere - Jazzgitarrenklänge im Gemsgarten. Unter diesem Motto veranstalten wir seit langem mal wieder eine Sonntagsmatinee mit dem Gitarristen FRANK MICHAEL, Lehrer an der Jugendmusikschule Singen, und dem Kontrabassisten GERMAN KLAIBER. *Out of Nowhere*, ein alter Jazzstandard, hat dem Duo seinen Namen gegeben und soll signalisieren, dass überwiegend Kompositionen aus der legendären Bebop-Ära des Jazz gespielt werden. Lateinamerikanischer Jazz und Eigenkompositionen von Frank Michael stehen ebenfalls auf dem Programm.
 
 
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Freitag 26.06.1998 - 20:30 Uhr
 
SIGI FINKEL & »African Heart«
 
SIGI FINKEL (Soprano/TenorSax/Flute), DAN GOTTSHALL (Trombone), ROBERT RIEGLER (Bass), CHEIKH M'BOUP (Vocals/Djembe/Sabar/TalkingDrums/Balaphone/Didgeridoo), OUMAR M'BOUP (Djembe/Sabar/Vocals), OUSMANE M'BOUP (Djembe/Sabar/Vocals), MADIEGNE FALL (Bass/Drums/Vocals)
 
Immer öfter taucht in den Jazzmagazinen der Name des Saxophonisten SIGI FINKEL auf. Das hat einen bestimmten Grund: seine musikalische Vielschichtigkeit und sein grosses musikalisches Können, aber auch die Wandlungsfähigkeit in der Vielzahl seiner Projekte zeigen das solide Handwerk des geborenen Günzburgers, der seit 1982 in Wien lebt und zur Creme des österreichischen Jazz gehört. Mit kräftigem von innen heraus leuchtendem Ton formuliert er seine spannende musikalische Message. Dabei bezieht er sich auf keine bestimmte Schule oder Tradition, sondern ausschliesslich auf das Stück und dessen Stimmung. Seit Dezember '95 arbeitet Sigi Finkel nun mit einem Ensemble zusammen, das sich *AFRICAN HEART* nennt und drei Kontinente - Afrika, Europa und Amerika - zusammenführt. Die musikalische Philosophie der Band ist das Gemisch von traditionellen Trommelklängen mit fetzigen, jazzinspirierten Bläsersätzen und afrikanischen Gesängen. Mit diesem Projekt geht Sigi Finkel neue, andere Wege und führt den Jazz zurück zu seinen eigentlichen Wurzeln; keine Angst - er gerät dabei nicht auf ausgelatschte und geschmäcklerisch tönende Afrojazz/Afropopfade. Neben ihm selber am Saxophon wird der Bassist ROBERT RIEGLER, der zur aktuellen Formation des Vienna Art Orchestra! gehört, dabei sein. An der Posaune aus USA DAN GOTTSHALL, der zur Zeit in Berlin lebt und u.a. zur RIAS Bigband gehört. Aus Afrika kommen die drei Brüder OUSMAN, OUMAR und CHEIK M'BOUP und MADIEGNE FALL. Sie stammen aus einer senegalesischen Musiker/Trommlerfamilie. Seit jeher wird dort auf Hochzeiten, Taufen und anderen Festen Trommelmusik auf Djembes und Sabar gespielt. Diese uralte Tradition verknüpfen sie mit dem Jazz zu einer symbiotisch dichten Musik.
 
 
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Freitag 05.06.1998 - 20:30 Uhr
 
SEBASTIAN GRAMMS 'UNDERKARL' »20th Century Jazz Cover«
 
SEBASTIAN GRAMMS (Kontrabass), LÖMSCH LEHMANN (Saxophon/Klarinette), NILS WOGRAM (Posaune), FRANK WINGOLD (Gitarre), DIRK PETER KÖLSCH (Schlagzeug)
 
Genau vor einem Jahr waren sie bei uns auf einer Sonntagsmatinee zu Gast und damals waren sich alle einig, diese phantastische Band muss noch einmal präsentiert werden und zwar im Abendprogramm. Underkarl gilt nicht erst seit dem von Publikum und! Presse gleichermassen umjubelten Auftritt auf dem renommierten Jazzfest Berlin 97 als die kommende Jazzgruppe der jüngeren europäischen Szene. "20th Century Jazz Cover 1896-1998 - The Underkarl Retrospective" - so kündigt sich die Gruppe UNDERKARL an. Auf die Frage nach der Herkunft ihres Bandnamens erntet man nur lächelnde Gesichter. Keiner der fünf Bandmitglieder will sich dazu äussern. Er soll die Phantasie anregen. Underkarl befasst sich auf eigene und eigenartige Weise mit nunmehr 100 Jahren Jazzgeschichte. Das neuartige Live-Konzept erlaubt es jedem Musiker, jederzeit eine der speziell präparierten Jazzkompositionen/Fragmente aus dem ständig wachsenden Fundus zu initiieren. I mprovisation - das wichtigste Merkmal des Jazz - ist in dieser Formation nicht mehr nur den einzelnen Solisten oder sogenannten Kollektiven innerhalb bestimmter Stücke vorbehalten - im Gegenteil: zusätzlich spielt und improvisiert die ganze Gruppe mit den vorher erarbeiteten Formteilen und Fragmenten. Diese "Kunst der offenen Formal-Improvisation" hält die Band wach, reaktionsschnell und spontan, schafft Raum für Unvorhersehbares und macht jedes Konzert zu einer einzigartigen Performance. Nebenbei beweist die Kölner Gruppe um den Bassisten SEBASTIAN GRAMMS Sinn für eines der wenigen Dinge, die es Wert sind, ernstgenommen zu werden: Humor. Auch wenn es falsch wäre, die Musik von Louis Armstrong, Charles Mingus, Dizzy Gillespie, Charlie Haden, Albert Mangelsdorff, Jimi Hendrix, Wayne Shorter, John Coltrane, Gil Evans, David Moss, Charlie Parker und Ornette Coleman anzukündigen, sind diese 'Herren' sicherlich bei jedem Konzert anwesend, und Underkarl schafft es, ihren Kompositionen neue Aspekte abzugewinnen. Neben Gramms besteht das Quintett noch aus dem Gitarristen FRANK WINGOLD, dem Saxophonisten/Klarinettisten LÖMSCH LEHMANN, dem Drummer DIRK PETER KÖLSCH und dem Ausnahmeposaunisten NILS WOGRAM, der ja bereits mit eigener Gruppe im März bei uns zu Gast war. Allen, die Underkarl letztes Jahr versäumt haben, bietet sich nun erneut die Gelegenheit diese aussergewöhnliche Band zu entdecken, die diesmal ihr neuestes Programm vorstellen wird. (CD *Jazzessence* erscheint im Sommer 98) Internet: www.cia.de/underkarl
 
 
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Donnerstag 28.05.1998 - 20:30 Uhr
 
RICKY FORD Group
 
RICKY FORD (TenorSax), SIEGFRIED KESSLER (Piano), JAMES LEWIS (Bass), CHRIS DAILY (Drums)
 
Im Verlauf der neunjährigen Konzerttätigkeit hat der JAZZCLUB schon viele herausragende und international bekannte Saxophonisten des Modern Jazz in Singen präsentiert. Nun kommt ein weiterer, der bislang mit eigener Band noch nie in Deutschland zu hören war: Der am 4.3.1954 in Boston, Massachusetts geborene schwarze Tenorsaxophonist RICHARD ALLEN 'RICKY' FORD. Einem breiteren Publikum wurde er in den siebziger Jahren durch seine Zugehörigkeit zur Charles Mingus Band bekannt, in der er mehrere Jahre spielte. In den Achtzigern blies er sein Horn u.a. bei George Russel, Lionel Hampton, Abdullah Ibrahim alias Dollar Brand und der Mingus Dynasty. Heute arbeitet er meist mit eigenen Gruppen und unterrichtet an der Brandeis University. Seine aktuelle Group besteht bereits seit über zwei Jahren und hat einige Tourneen in Europa unternommen. Am Piano sitzt der in Paris lebende Deutsche SIEGFRIED KESSLER, der auf der dortigen Szene ein äusserst gefragter Sideman ist und jahrelang immer wieder mit Archie Shepp auf dessen Europatourneen gespielt hat. Die Rhythmusgruppe besteht aus dem Bassisten JAMES LEWIS und dem Drummer CHRIS DAILY, die es auch für uns noch zu entdecken gilt. Im Gegensatz zu den meisten Saxophonisten seiner Generation bezieht sich Ricky Ford weniger auf John Coltrane als vielmehr auf Sonny Rollins und Coleman Hawkins. Sein drivendes Spiel mit offenem, erdigem Ton und einer melodischen Direktheit, die ihn wiederum von Rollins unterscheidet, gibt seinem Beitrag eigenes Gewicht im vielfarbigen Mainstream des Neo-Bop. "Dieser Tenorsaxophonist ist wunderbar", begeisterte sich Dexter Gordon und fügte hinzu: "Er spielt wie Hank Mobley aber mit einem grösseren Ton und mehr Feuer." Wir sind sicher, dass er es schafft, dieses Feuer in der Gems zu entfachen.
 
DIESES KONZERT WIRD GEFÖRDERT DURCH DEN GENOSSENSCHAFTSVERBAND 'MIGROS' WINTERTHUR-SCHAFFHAUSEN
 
 
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POLSKA KULTURA BODENSEEFESTIVAL 1998
Freitag 08.05.1998 - 20:30 Uhr
 
TOMASZ STANKO Sextet »Music of Krzysztof Komeda«
 
TOMASZ STANKO (Trumpet), BERNT ROSENGREN (TenorSax), JOAKIM MILDER (Tenor/SopranoSax), BOBO STENSON (Piano), PALLE DANIELSON (Bass), JON CHRISTENSEN (Drums)
 
Roman Polanskis Hauskomponsit Krzysztof Komeda (Rosemaries Baby, Messer im Wasser etc.) war der Vater des polnischen Jazz. Der Trompeter TOMASZ STANKO spielt Komedas Musik auf der grandiosen CD *Litania* (ECM 1636) und auch bei seinem Konzert in Singen im Rahmen des Bodenseefestivals, das dieses Jahr der Kultur Polens gewidmet ist. Der polnische Pianist und Komponist Krzysztof Komeda ist seit seinem Tod 1969 zu einer Legende geworden. Tomasz Stanko, der in den 60er Jahren oft mit ihm spielte, widmet dem Landsmann diese CD. Zusammen mit den herausragenden Musikern BERNT ROSENGREN (ts), JOAKIM MILDER (ts/ss), BOBO STENSON (p), PALLE DANIELSSON (b) und JON CHRISTENSEN (dr) arbeitet er sich durch zehn eigene Arrangements über Komedas Stücke. Dies sind Interpretationen von Filmmusiken, vor allem lyrische Kompositionen, in denen melancholische und oft schwertönige Themenstatements und mehr oder weniger freie Improvisationen abwechseln. Stanko gehört zu den wenigen Trompetern, die an einem einzigen Ton zu erkennen sind, einem Klang, gekeltert aus den Erfahrungen eines ganzen Lebens und Überlebens. Jede Note ein Angelhaken, an dem ein Fetzen Leben hängt. Existentielle, nicht originelle Musik. Hier gehts nicht um Effekt und Artistik, sondern um die dunklen Unterströmungen, ausbalanciert mit Humor in den längeren, suitenartigen Stücken. "Mit Verlaub und Understatement gesagt: eine der schönsten CDs nicht nur des Jahres '97 und nicht nur Europas. Wer diesen hier mehrmals gepriesenen Trompeter jetzt nicht entdeckt, ist selber schuld." (Peter Rüedi in der Weltwoche) Jazzthetik: Fünf Sterne!
 
MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG MINISTERIUM FÜR WISSENSCHAFT, FORSCHUNG UND KUNST BW
 
 
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Freitag 24.04.1998 - 20:30 Uhr
 
HOWARD JOHNSON & »Gravity«
 
HOWARD JOHNSON (Tuba), DAVE BARGERON (Tuba), NEDRA JOHNSON (Tuba), JOE DALEY (Tuba), EARL McINTYRE (Tuba), CARL KLEINSTEUBER (Tuba), CARLTON HOLMES (Piano), STEVE LOGAN (Bass), J.T. LEWIS (Drums)
 
Für unser 150. Abendkonzert haben wir einen ganz besonderen Knüller nach Singen eingeladen: Den Tubisten, Baritonsaxophonisten und Penny-Whistle-Spieler! HOWARD JOHNSON mit seiner Band GRAVITY, sechs Meister auf der Tuba plus eine hervorragende und höllisch swingende Rhythmusgruppe. Die neun erbringen den Beweis: Ein Haufen wilder Tubas kann atemberaubend swingen, boppen und grooven, was sie bereits auf zwei Cds auf dem Label Verve tatkräftig unter Beweis gestellt haben. Dabei mischt sich grossorchestraler Sound mit Eleganz und Geschmeidigkeit; technisch frappierende und akrobatische Soloimprovisationen beeindrucken und unterstreichen, dass man mit der Tuba auch anspruchsvollste Phrasen erstaunlich beweglich und ausdrucksstark meistern kann. Keine Angst - es spielen nicht immer alle sechs Tubisten gleichzeitig. Sie werden in den verschiedensten Konstellationen auftreten und so Farbigkeit und Abwechslungsreichtum in ihr Repertoire und ihren Auftritt bringen. Wenn z.B. Howard Johnson mit *Round Midnight* einen lediglich vom Pianisten begleiteten Alleingang wagt, ist das musikalische Vergnügen perfekt. "Ganz sicher ist die CD *Gravity* das ungewöhnlichste, vielleicht sogar das beste Jazzalbum des Jahres 96!" (Jazzpodium) Preis der Deutschen Schallplattenkritik 1996!! Besetzungsänderungen ausdrücklich vorbehalten!
 
MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG SPARKASSE SINGEN - VIELEN DANK
 
 
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Sonntag 05.04.1998 - 20:30 Uhr
 
TRILOK GURTU »The Glimpse«
 
TRILOK GURTU (Percussion), KAI ECKHARDT DE CAMARGO (Bass), JAYA DEVA (Ganawa/Guitar), RAVI CHARY (Harmonium/Sitar/Voice), ANUREHKA GHOSH (Kathak Dance)
 
Er war schon häufig zu Gast in Singen, hat sich allerdings die letzten Jahre etwas rar gemacht. Die Rede ist von dem Indischen Master Musician und Composer und vierfachem Sieger des Down Beat Kritiker polls Kategorie Percussion: TRILOK GURTU. Er wird diesmal eine neue Bühnenproduktion mit dem Titel *KATHAK* in Singen zur Aufführung bringen, dabei seine phantastische Gruppe *THE GLIMPSE*, mit der er nach einigen Jahren der Jazzrockverirrung wieder in den Schoss der guten alten Mutter Ethno-Jazz zurückgekehrt ist. Trilok Gurtu widmet sich mit seinen Musikern wieder den Traditionen seiner indischen Heimat, bietet dabei auch eine Tänzerin auf, packt sein ganzes Sammelsurium an Klopf- und Schlagwerkzeugen aus, und integriert die Sounds und das Vokabular der westlichen Welt in sein Konzept, wobei es ihm spielend gelingt, dieser seiner Gruppe eine klare, von seinen Vorstellungen geleittete Identität zu geben. Die eigene Spiellust, das raumgreifende Entfaltungsbedürfnis als Instrumentalist, steht dabei weniger im Vordergrund als es früher der Fall war, denn ihm liegt viel an dieser Ensemble-Identität, und das kommt dem gesamten Projekt zugute. Dabei schafft er eine ganz persönliche Synthese aus indischer Musik und Jazz-Elementen, in die sich ein Hauch Blues und Echos anderer ethnischer Traditionen mischen (Marokko und Bulgarien z.B. lassen grüssen). Es dürfte mit seiner immer schlüssiger entwickelten Visison zusammenhängen, dass THE GLIMPSE durch und durch organisch klingt. Seine Mitmusiker sind der Elektrobassist KAI ECKHARDT DE CAMARGO (Maria Joao Group, John McLaughlin etc.), JAYA DEVA, der die Ganawa - ein Marokanisches Saiteninstrument - aber auch die Gitarre und das Piano spielt, RAVI CHARY - ein grosses Talent auf der Sitar und dem Harmonium, der auch singen wird. Die Gruppe wird live ergänzt durch die indische Kathak-Tänzerin ANUREHKA GHOSH. Eine einmalige Performance für Ohren und Augen erwartet uns...
 
 
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Donnerstag 26.03.1998 - 20:30 Uhr
 
ABRAHAM BURTON Group
 
ABRAHAM BURTON (Tenor/AltoSax), JAMES HURT (Piano), BILLY JOHNSON (Bass), ERIC McPHERSON (Drums), M. CLIVE (Perc)
 
Bereits im November '95 war ABRAHAM BURTON, ein Ausnahmetalent am Altsaxophon und mittlerweile auch am Tenorsaxophon, mit seiner Gruppe bei uns zu Gast und hat ein total begeistertes Publikum zurückgelassen. Das ist Grund genug für uns, Ihnen diesen "Magician" noch einmal zu präsentieren. Damals nannten wir Burton "die neue Hoffnung für das Altsaxophon". Diese Hoffnung hat sich mittlerweile mehr als bestätigt; erwähnt sei hier nur sein fulminanter Auftritt beim letztjährigen Jazzfestival in Moers, als er in allen Kritiken als einer der absoluten Höhepunkte gefeiert wurde. Abraham Burton wurde 1971 geboren und war insbesondere Schüler von Altsaxophonmeister Jackie McLean. Seine "on-stage" Erfahrungen hat er vorwiegend mit Art Taylor's Wailors gesammelt. So wie einst Jackie McLean - von Charlie Parker inspiriert - dessen Musik weiterentwickelt hat, so ist es heute an Burton, die Message weiterzutragen. McLeans Einfluss ist bei ihm natürlich deutlich, was sicherlich kein Nachteil ist, denn von ihm bezieht er vor allem seine erstaunliche Energie. Aber Burton ist nicht einfach nur ein Epigone, sondern er ist schon jetzt dabei, einen sehr eigenen Ton, vor allem auch auf dem Tenorsaxophon, zu entwickeln. Seine Improvisationen sind durchzogen von bisweilen Coltranehaftem Feuer und frei von Höhenangst, wenn auch bereits wohldurchdacht und von gleichmässiger Schönheit. Selten findet sich der Zuhörer durch plötzliche Geniestreiche verblüfft, vielmehr scheinen die Töne aus einer beständigen ästhetischen Gesetzmässigkeit heraus aneinandergereiht. Die Musik - erdiger, souliger und bluesiger Neobop - unterscheidet sich von den elegant-anämischen "Neoklassizismen" üblicher Boprevivals erfreulicherweise: Durch Bodenhaftung nämlich. Dabei wird er von einer äusserst glücklich gefügten Band unterstützt, mit der er nun bereits seine achte! Europatournee unternimmt: JAMES HURT, ein junger sehr perkussiv spielender Pianist aus New York, BILLY JOHNSON am Bass und ERIC McPHERSON am Schlagzeug, dem man zweifellos eine grosse Karriere voraussagen darf. "Wer gerne Jazz hört und diesem Konzert nicht beiwohnen konnte, der hat wirklich viel verpasst", so der Kritiker des Südkurier über Burtons Auftritt im November '95. Nun bieten wir Ihnen die Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen, die anderen kommen sowieso wieder!
 
 
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Freitag 13.03.1998 - 20:30 Uhr
 
NILS WOGRAM Quartett
 
NILS WOGRAM (Posaune), SIMON NABATOV (Piano), NICOLAS THYS (Bass), JOCHEN RÜCKERT (Drums)
 
NILS WOGRAM gehört ohne Zweifel zu den vielversprechendsten Newcomern der deutschen und europäischen Jazzszene. Mit seinen beiden CD Veröffentlichungen *New York Conversations* (Mons Records) und *Round Trip* (Enja) stellt der in Köln lebende Posaunist und Komponist eine Musik vor, die in gleichem Masse von Komposition und Improvisation bestimmt wird. Elemente aus Mainstream, freiem Spiel und Neuer Musik werden organisch vereint. In seinem hervorragend besetzten Quartett spielen der weltbekannte Pianist SIMON NABATOV, den wir hier nun wirklich nicht noch näher vorstellen müssen, der Bassist NICOLAS THYS, u.a. Preisträger des Belgium Jazz Contest, und Deutschlands grösstes Schlagzeugtalent JOCHEN RÜCKERT, der im Jahr 96 erster Preisträger der European Jazzcompetition in Leverkusen war. Die Preise aufzuzählen, die Nils Wogram bereits erhalten hat, würde hier den Rahmen sprengen. Was für ein Quartett! Das Jazz Podium schreibt über seine CD Round Trip: "Schon Wograms erste CD unter eigenem Namen war eine aufregende Mischung aus Virtuosität, Spielwitz und kompositorischer Courage. Seine neue CD steht dem in nichts nach. Sechs typische Kompositionen des Posaunisten, darunter eine dreiteilige Suite, denen man unbedingt zuhören möchte. 'Freebop'-Unisoni, slapstickhaft verschachteltes Pattern, freie Dialoge und Balladen. Er scheint aus einem unerschöpflichen Reservoir an Ideen zu schöpfen und nuanciert seinen Ton von butterweich bis zu stimmlichem Grummeln und Growlen. In Nabatov hat das Quartett einen der renommiertesten und interessantesten Pianisten in seinen Reihen. Nabatov "nagelt" seine Uptempo-Soli mit rhythmischer Präzision in die Tasten. Und die quicklebendigen Nicolas Thys und Jochen Rückert halten munter mit. WELCH EINE BAND, WELCH EINE MUSIK."
 
 
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Donnerstag 26.02.1998 - 20:30 Uhr
 
SIMON NABATOV »The Art of the Solo«
 
SIMON NABATOV (Piano), IM VORPROGRAMM: ROBERTO DOMENICONI (Piano)
 
SIMON NABATOV wurde 1959 in Moskau geboren und gilt als eines der bedeutendsten Talente der aktuellen Musikszene. Bereits mit drei Jahren begann er - in einer Musikerfamilie aufwachsend - mit dem Pianospiel, mit sechs mit dem Komponieren. Von 17 bis 20 studierte er am Moskauer Konservatorium und engagierte sich daneben im Bereich Jazz und improvisierte Musik. Die Familie Nabatov emigrierte 1979 über Rom nach New York, wo der junge Nabatov die berühmte Julliard School of Music absolvierte. Im Gegensatz zu seiner Heimat, in der ein Jazzmusiker bestrebt war, möglichst wie ein amerikanisches Vorbild zu klingen, entdeckte er in Amerika, "dass sich die Leute beim Spielen genau so verhielten, wie beim Spazierengehen - sie waren locker, sie waren sie selber... Das war vielleicht die wichtigste Sache für mich, dass man nicht mehr zitieren sollte oder durfte, sondern genau die Sprache entwickeln, bei der man nicht mehr nach Wörtern suchen muss." (Jazz Podium). Musikalische Partner jener Zeit waren u.a. Wynton Marsalis, Ray Anderson, Ed Schuller, Paul Motian, Marty Ehrlich und Arthyr Blythe, mit dessen Quartett man ihn letztes Jahr beim Jazz Club bewundern konnte. (Dieses Konzert und sein Pianospiel hinterliess bei uns einen derartig starken Eindruck, dass wir ihn damals spontan für dieses Solokonzert buchten.) 1989 übersiedelte Nabatov nach Deutschland, wo er bald die einheimische Jazzszene nachhaltig befruchtete und gerne für CD-Aufnahmen deutscher Jazzer herangezogen wurde. In seinem neuen Programm verbindet er Improvisation des Jazz und klassische Komposition wie kein anderer: ausgehend von Themen klasssischer Komponisten wie Bach, Brahms, Chopin und anderen entwickelt er Improvisationen. Oder er nähert sich aus der Improvisation einer klassischen Komposition an. Oder er verknüpft klassische mit eigenen Kompositionen und baut damit eine Brücke zwischen Gestern und heute, zwischen verschiedenen musikalischen Welten. Seine pianistische Brillianz, seine Fingerfertigkeit, die technischen Hürden nicht zu kennen scheint, erlauben ihm alles, was seine geniale Phantasie ihm eingibt, problemlos umzusetzen.
 
Im Vorprogramm wird der aus Schaffhausen stammende Pianist ROBERTO DOMENICONI Stücke aus seiner Solo CD *Campo di Anime* aufführen.
 
 
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Freitag 13.02.1998 - 20:30 Uhr
 
PAUL MOTIAN Trio feat. BILL FRISELL / JOE LOVANO
 
PAUL MOTIAN (Drums), BILL FRISELL (Guitar), JOE LOVANO (Saxophone)
 
Endlich, endlich ist es uns gelungen, dieses bald dienstälteste Trio der Jazzszene nach Singen zu holen. 15 Jahre spielen die drei Klangfreaks mittlerweile kontinuierlich zusammen. Stets auf der Suche nach ungehörten und unerhörten Klangfragmenten. Die Rede ist von den drei Ausnahmemusikern PAUL MOTIAN am Schlagzeug, JOE LOVANO am Saxophon, und zum ersten Mal in Singen BILL FRISELL, dem wohl angesehensten Erneuerer des Gitarrenspiels. Letztes Jahr hat dieses Supertrio auf dem deutschen Label Winter & Winter Live-Aufnahmen aus dem Village Vanguard in New York unter dem Titel *Sound of Love* veröffentlicht, auf denen sie vier Standards und drei Eigenkompositionen Motians souverän in ihrer ganz speziellen Klangsprache formulieren. Man höre nur das Gitarrenspiel von Bill Frisell: das Trio gibt ihm die Möglichkeit, einen Gitarrenstil zu entfalten, der einfach unvergleichlich ist. Kein anderer Gitarrist schafft es wie Frisell, den Bogen vom Geräuschhaft-Klanglichen zum Tonal-Harmonischen mit solcher Schlüssigkeit und Konsequenz zu spannen und dabei diese Trennung gleichsam infrage zu stellen. Joe Lovano,der bereits zum dritten Mal zum Jazzclub kommt und der dem Trio seinen endgültigen Durchbruch als Saxophonist zu verdanken hat, ergänzt Frisell durch seinen kraftvollen Ton, der auch bei den ruhigen Stücken starke Präsenz behält. Das Spiel von Gitarre und Saxophon stellt sich ganz in den Dienst von Motians Stücken und es wird hörbar, dass sich hier drei Musiker in parallelen musikalischen Universen bewegen. Und schliesslich Paul Motian, er treibt die von seinen Mitmusikern kreierten Klangteppiche und Harmoniegebilde mit impulsivem Spiel voran. Ein reines Takthalten darf man von ihm nicht erwarten. Vielmehr bezieht sich sein Spiel stets auf die Musikalität der Stücke, nimmt Soundstrukturen auf, reagiert und initiiert neue Bewegungen. "Musik auf allerhöchstem Niveau" Jazz Podium, "Fünf Sterne" Jazzthetik. Ein absoluter Höhepunkt in der nun neunjährigen Konzerttätigkeit des Jazzclub Singen steht uns allen bevor.
 
 
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Mittwoch 21.01.1998 - 20:30 Uhr
 
FERENC SNÉTBERGER Trio
 
FERENC SNÉTBERGER (Gitarre), MARTIN GJAKONOVSKI (Bass), ELEMER BALAZS (Drums)
 
Da gibt es einen Jazzgitarristen der Sonderklasse, der seit 1988 in Berlin lebt, aber die breite Öffentlichkeit hat bisher wenig von ihm Notiz genommen. Die Rede ist von dem ungarischen Ausnahmetalent FERENC SNÉTBERGER, der mit seinem seit Jahren festen Trio mit MARTIN GJAKONOVSKI am Bass und ELEMER BALAZS am Schlagzeug sein Debut beim Jazzclub geben wird. Wer bei einem ungarischen Jazz-Trio an Puszta und Zigeuner denkt, der liegt bei diesem Trio allerdings völlig daneben. Man dürfte im weiten Feld des Jazz nur wenige Gitarristen finden, die wie Snétberger die Formenstrenge klassischer Musik mit der spielerischen Leichtigkeit lateinamerikanischer Rhythmen und der Improvisationsfreude des Jazz zu einem völlig eigenständigen Ausdruck zu verbinden weiss. Ob Klassik, Jazz, Flamenco oder eigene Improvisationen, Ferenc Snétberger ist ein Meister seines Faches, der all diese Stilrichtungen beherrscht. Mit seinem Trio war er im Mai auch bei Willemsens Woche im Fernsehen zu erleben. In Berlin stand er letztes Jahr mit Herb Ellis und Mundell Lowe auf der Bühne und vertrat den erkrankten Charly Byrd im Konzert "The Great Guitars of Jazz". Bei dem Münchner Plattenlabel ENJA hat er bereits zwei CDs veröffentlicht. Die Berliner AZ schreibt: "Ein grandioser Nylonsaiten-Techniker, der rasante Läufe, Tremolo- und Flageolett Kunststücke beiläufig unterjubelt und durch athmosphärische Finess jeden Gitarrenfan besticht. Langer Beifall und zwei Zugaben, darunter *Obsession*. Die Besessenheit der Musiker erwärmte an diesem Abend alle." "Er ist eine Rarität; er ist, musikalisch gesprochen, eine überaus ernst zu nehmende kosmoploitische Kraft, in der sich heimische folkloristische Tradition, europäische Klassik und amerikanischer Jazz auf eine Weise zur Synthese schliessen, wie sie bislang noch nirgends zu hören war. Er entwickelt seine Idee von harmonischer Konzertanz, in der in wunderbarer Weise Musikalität und instrumentales Können zusammenlaufen."
 
 
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Freitag 09.01.1998 - 20:30 Uhr
 
CARLA COOK & Friends
 
CARLA COOK (Vocals), ANDY MILNE (Piano), DARRYL HALL (Bass), GEORGE GRAY (Drums)
 
Wir freuen uns, Ihnen in unserer Reihe herausragender Jazzvocalistinnen mit der schwarzen Sängerin CARLA COOK mal wieder eine Neuentdeckung präsentieren zu können. Sie gehört bestimmt zu den Rising Stars der jungen amerikanischen Szene und hat mit ihrer phantastischen Band, kongeniale Partner, mit denen sie bereits vor einem Jahr auf ihrer ersten Europatournee begeisterte Kritiken bekam. "Unbestritten nehmen Dee Dee Bridgewater und Dianne Reeves die Spitzenpositionen im Jazzgesang ein, seit Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan und Carmen McRae nicht mehr leibhaftig unter uns sind. In die lange Reihe der guten, ausdrucksstarken Sängerinnen, die an zweiter Stelle kommen, mischte sich neuerdings die aus Detroit stammende, in New York lebende Carla Cook ein." (Jazz Podium März 97). Sie behauptete sich bereits in der harten Schule der New Yorker Jazz Community. Bei Carla kommt die Schönheit der Stimme voll zum Tragen, ihre breite Ausdrucksskala lässt sie bisweilen mädchenhaft unbekümmert, sanft, ja verführerisch klingen, dann wieder powermässig und hart. Zudem zeichnet sich ihre Stimme durch die jubilierende Eigenschaft und emotionale Direktheit des Gospel auch. Auch zu scatten versteht sie hervorragend, bisweilen wird ihre Stimme zum Instrument ihrer Band. Das Talent, das Aussehen und die Bühnenpräsenz für eine grosse Karriere besitzt Carla Cook unbestritten, um einen Durchbruch zu schaffen, müsste jedoch eine für sie repräsentative CD erscheinen, auf der ihre Stimmpalette, die von Gospel, Blues, R&B über Jazz bis zu Latin reicht, dokumentiert ist. Ihr live aufgenommenes Demotape hat uns jedenfalls dermassen überzeugt, dass wir sie sofort als unser Eröffnungskonzert für die Jazzsaison 1998 gebucht haben, und wir sind sicher, dass Sie, liebes Publikum, dies auch getan hätten. "Bei vielen Standards singe ich Scat, doch ich liebe alle Arten von Musik, singe auch R&B und Blues. Ich werde hauptsächlich als Jazzsängerin bezeichnet, doch ich mag alle Arten von Musik, ich improvisiere ebenso im Gospelsong wie in R&B Songs. Es gibt auch einige Country & Western Stücke, die ich unheimlich mag. Und ich wäre sehr traurig, wenn ich die nicht mehr singen könnte. In jeglicher Art der Musik kann ich mich selbst ausdrücken." (Carla Cook)
 

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Text: R. Kolmstetter

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