line

 

Jazz Club Singen

Archiv der Veranstaltungen

logo
 
2010 2009
2008 2007 2006 2005 2004
2003 2002 2001 2000 1999
1998 1997 1996 1995 1994
1993 1992 1991 1990 1989
 
 
1999
 
| Markus StockhausenRiessler/Clastrier/RizzoChristof LauerDave HollandAndrew CyrilleCharlie MarianoJohn AbercrombieDave DouglasDino SaluzziCornelius Claudio KreuschNils LandgrenPaul MotianNew Jazz TrioIron WertherDewey RedmanVienna Art OrchestraJim HallEnrico RavaRandy WestonEric WatsonFeldman/Puschnig/Reijseger Jim Black's PachoraSimon NabatovCécile Verny |
 
 
line
 
 
Donnerstag 02.12.1999 - 20:30 Uhr
 
STOCKHAUSEN / ANDERSEN / HERAL
 
MARKUS STOCKHAUSEN (Trompete), ARILD ANDERSEN (Bass), PATRICE HERAL (Percussion)
 
Es liegt in der Luft, so könnte man sagen, dass sich Musiker jenseits aller musikalischen und aller Landesgrenzen zusammenfinden, um eine ganz eigene Musik entstehen zu lassen, die dem Zeitgeist Ausdruck verleiht. Der deutsche Trompeter MARKUS STOCKHAUSEN, der norwegische Bassist ARILD ANDERSEN, u.a. bekannt durch seine Zugehörigkeit zum Jan Garbarek Quartet, und der südfranzösische Perkussionist PATRICE HERAL, der gerade durch sein Spiel in verschiedenen Kunstrichtungen grosse Kreativität und Flexibilität erlangte. TRIO POSSIBLE WORLD nennt sich dieser Freundeskreis in Sachen improvisatorischer Neulanderkundung. Work in Progress - aber nein, Work ist kein passender Ausdruck für etwas, das den dreien so viel Spass macht. Alles was Heral anfasst wird Musik. Gebt ihm einen Nikolaussack, und er kann ihn sicher so ausschütten, dass eine weitere "mögliche Welt" entsteht, in die sich Stockhausen und Andersen subtil und doch bestimmt einbringen werden. "Die drei boten ein Feuerwerk vorzüglicher Instrumentaltechnik. Die Kommunikation zwischen den Musikern war ungewöhnlich dicht, so dass eine gegenseitige Steigerung zu verzeichnen war. Wenn sich die Spielweisen einmal voneinander entfernten, kam irgendwann rondoartig auch wieder die Kraft der Einstimmigkeit als Schönheit der musikalischen Übereinstimmung zum Tragen. Die technischen Hilfsmittel, die anfangs unpassend schienen, offenbarten sehr bald ihren Wert, weil sich elektronisch gestützte Effekte hervorragend in das Geschehen einfügten. Und wenn es nur das Vergnügen gewesen wäre, einen Kontrabassisten mit sich selbst im Dialog zu erleben. Es war zeitgenössische Musik der besonderen Art, Ein Ballspiel wandernder Ideen, manchmal von triumphaler Schönheit, mit Spass bei den Musikern und beim Publikum, das seinen Augen und Ohren kaum trauen mochte." (Sächsische Zeitung)
 
 
line
 
 
Freitag 19.11.1999 - 20:30 Uhr
 
RIESSLER / CLASTRIER / RIZZO
 
MICHAEL RIESSLER (Klarinetten/Saxophon), VALENTIN CLASTRIER (Drehleier), CARLO RIZZO (Tambourin)
 
Auf vielfachen Wunsch kommt nach langer Zeit der Klarinettist und Saxophonist MICHAEL RIESSLER wieder zum Jazz Club Singen. Diesmal bringt er sein Trio mit. Man kennt im Jazz ja einige ungewöhnliche Besetzungen, aber die Kombination von Saxophon/Klarinette mit Drehleier (VALENTIN CLASTRIER) und Tambourin (CARLO RIZZO) ist bestimmt einzigartig. Ein faszinierendes Kaleidoskop aus zeitgenössischem Jazz, mittelalterlicher Jahrmarktsmusik und französischer Folklore - das ist die Musik des Trios. Riessler versteht es wie derzeit wohl kein zweiter Musiker in Deutschland, eine eigenständige, ganz in der europäischen Musik verwurzelte Musik zu schaffen, die auf spielerische Weise Komposition und Improvisation miteinander verbindet. Der persönliche Stil jedes Einzelnen, der sich aus dem jeweiligen musikalisch-kulturellen Hintergrund (Italien/Frankreich/Deutschland) entwickelt hat, ermöglicht es, in präzisester Fixierung grösstmögliche Freiheit zu entfalten. Die Traditionen der italienischen Tarantella, der französischen Folklore, des neuen Jazz und der zeitgenössischen Musik dienen dabei nicht als oberflächliche oder nostalgische Klischees, sondern sie sind das Fundament, von dem aus neue Entdeckungen möglich werden: In jedem Moment solistisch und gleichzeitig in den Gesamtklang integriert; europäisch, indem die eigene Identität mit der der anderen kommuniziert. "Als wären da Musiker aus dem Mittelalter durch einen Zeittunnel in die Gegenwart gerutscht und zeigten nun den staunenden Zeitgenossen, wie selbstverständlich es für sie ist, mit den heutigen musikalischen Mitteln zu jonglieren."
 
 
line
 
 
Donnerstag 04.11.1999 - 20:30 Uhr
 
CHRISTOF LAUER Group »Fragile Network«
 
CHRISTOF LAUER (TenorSax), MARC DUCRET (Guitar), ANTHONY COX (Bass), GENE JACKSON (Drums)
 
Mit der CD *Fragile Network* (ACT 9266) hat der Frankfurter Saxophonist CHRISTOF LAUER ein weiteres Meisterwerk seinen bisher erschienenen CDs zur Seite gestellt. Für diese Aufnahmen erhielt er den Preis der deutschen Schallplattenkritik und die Jazzkritiker waren sich alle einig in ihrem Urteil, stellvertretend hierfür die Zeitschriften Stereo, Stereoplay und Audio, die Fragile Network zur CD des Monats gewählt haben. Fragile: zart, zerbrechlich; Network: Maschenwerk, Geflecht, Netz. Ein zartes Geflecht stellt uns Lauer mit seiner Musik vor und hoffentlich gelingt ihm ja jetzt endlich der lange verdiente Durchbruch. Zu wünschen wäre es ihm schon lange, denn an dieser Musik gibt es nichts auszusetzen. Angefangen bei der herausragenden Besetzung: an der Gitarre der vitale Franzose MARC DUCRET, der ungeahnte Räume auf der Gitarre öffnet und über eine völlig eigene Stilistik verfügt; Am Bass der Amerikaner ANTHONY COX und am Schlagzeug einer der Grossen der Szene und aktuelles Mitglied der Gruppe von Herbie Hancock! GENE JACKSON. Die Klangfarben verschmelzen, mit Effekten wird sparsam umgegangen, die Kompositionen zwingen zum Zuhören und über den teils zupackenden Grooves - vorangetrieben von dem Tandem Jackson - Cox, teils sphärischen Soundlandschaften von Ducret, erhebt sich Christof Lauers Saxophon. "Egal, ob am Tenor- oder Sopransaxophon, sein Sound ist intensiv, und sein Soloaufbau mit seinen intelligenten Steigerungen und Spannungen ist wirklich hörenswert" (Angela Ballhorn in Jazzthetik, 5 Sterne!) Für Lauer ist Jazz Kommunikation und damit ist das Wichtigste gesagt. Für ihn bilden Freiheit und Schönheit entgegen allen landläufigen Meinungen kein Widerspruchspaar, sondern gehören untrennbar zusammen. die Freiheit im Ausdruck und der Fluss der Gedanken sind für ihn entscheidende Kriterien für gute hörens- und spielenswerte Musik. Ein grosser Jazzabend steht dem JazzClub und seinen Besuchern ins Haus.
 
 
line
 
 
Donnerstag 21.10.1999 - 20:30 Uhr
 
DAVE HOLLAND Quintet »Points of View«
 
DAVE HOLLAND (Bass), CHRIS POTTER (Soprano/TenorSax), ROBIN EUBANKS (Trombone), STEVE NELSON (Vibraphone/Marimba), BILLY KILSON (Drums)
 
Bassist DAVE HOLLAND zum zweiten Mal mit eigener Band beim Jazz Club Singen! Es ist, wie wenn man auf Reisen einen Ort kennenlernt, und man "weiss" beim Abschied intuitiv, dass man nicht zum letzten Mal hier war. So geschehen mit dem Musiker Dave Holland, als er nach einem aussergewöhnlich intensiven Konzert in Singen abreiste. Diese Musikerpersönlichkeit gehört zu denjenigen Künstlern, die man im Auge (und im Ohr) behält und darauf wartet, ein weiteres Engagement zustande zu bringen. Dazu kommt, dass man auf Holland und seine Bands absolut vertrauen kann, im Sinne, dass von jeder seiner eigenen Formationen auch absolut hochqualifizierter Jazz zu hören ist. So schreibt Peter Rüedi in der Weltwoche über Hollands letzte CD *Points of View* (ECM): "Alle Jubelmonate einmal erscheint die Novität, die noch besser ist als hervorragend. Die neue CD Dave Hollands ist nicht weniger als vollkommen. Damit ist nicht die Perfektion gemeint, sondern eher das Gegenteil: dass einer mit seinen Partnern trotz so viel Können noch etwas zu sagen hat. Diese Musik überwältigt nicht, sie lädt ein. Der zwingend in den Sog der Musik hineingezogene Hörer stösst auf traumwandlerisches Verständnis der Beteiligten untereinander." Seine neueste Band gründete er im letzten Jahr. Die Mitglieder, alles Amerikaner, sind meist wesentlich jünger als er selbst. Am Vibraphon und Marimbaphon der in Pittsburgh aufgewachsene, schwarze Musiker STEVE NELSON, der die Tradition der grossen Vibraphon-Stars, vor allem Bobby Hutcherson's, fortsetzt. Am Saxophon ein Musiker, der in Singen nicht mehr vorgestellt werden muss, der grossartige CHRIS POTTER. ROBIN EUBANKS (endlich mal in Singen) an der Posaune ist mal der explodierende, mal der fetzend suchend Vortragende. Der Schlagzeuger BILLY KILSON, ein wahrer "Young Lion", weiss um Jack DeJohnette und Gateway, kann aber auch mit einem Dave-Weckl-Beat punktgenau zuschlagen.
 
 
line
 
 
Mittwoch 06.10.1999 - 20:30 Uhr
 
ANDREW CYRILLE
 
ANDREW CYRILLE (Drums), JAMES NEWTON (Flute), LISLE ATKINSON (Bass)
 
Mit dem "Masterdrummer und Superstrukturalisten" (Jazzthetik), dem Amerikaner ANDREW CYRILLE kommt einer der Lieblingsschlagzeuger der Programmmacher des Jazz Club mal wieder nach Singen und alle, die ihn schön öfters auf der GEMS-Bühne erlebt haben, werden sich diesen Musiker und sein Trio nicht entgehen lassen. Zwei alte Freunde werden ihn begleiten. An der Querflöte der grosse JAMES NEWTON. Man sollte mit Superlativen vorsichtig umgehen, aber er ist ein absoluter Ausnahmemusiker und es gibt im modernen Jazz keinen, der dieses Instrument dermassen perfekt beherrscht und einsetzt. Regelmässig wird er bei den verschiedensten Kritikerumfragen als Flötist Nr. 1 gewählt. Am Bass bringt Cyrille den New Yorker Allrounder LISLE ATKINSON mit, der das Ganze rhythmisch unterlegen wird. Über Ihre letzte CD *X-MAN* (Soul Note Records) schreibt die Jazzthetik: "Die Lion Kings Newton und Cyrille verschwenden schon lange keinen Gedanken mehr daran, sich für konservative Musik zu rechtfertigen. Das Trio improvisiert selbstverständlich auf der Grundlage schöner Melodien in die Bereiche hinein, die eben nicht mehr vorausrechenbar sind. Newton z.B. kann eine Querflöte auf selten gehörte Art aggressiv klingen lassen. Das ist wie der minutenlange, urgemütliche Blick in den Kamin, bis einem ein, zwei Verpuffungsexplosionen die Segelohren freilegen."
 
MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG WENNER HOLZBLASINSTRUMENTE, SINGEN
 
 
line
 
 
Donnerstag 23.09.1999 - 20:30 Uhr
 
CHARLIE MARIANO Group
 
CHARLIE MARIANO (AltoSax), VIC JURIS (Gitarre), JEFF HIRSHFIELD (Drums), DIETER ILG (Bass)
 
Lange ist es her, dass der Altsaxophonist CHARLIE MARIANO das letzte Mal beim Jazz Club in Singen zu Gast war. Ausschlaggebend für die neuerliche Verpflichtung dieses grossen Musikers war seine neuste CD, die unter dem Titel *SAVANNAH SAMURAI* auf dem deutschen Label Jazzline (1153-2) im letzten Jahr erschienen ist und auf der sich Mariano seiner ursprünglichen Jazzquellen in ausserordentlich überzeugender Weise erinnert. Er kehrt zu seinen musikalischen Wurzeln zurück: Anstatt ein weiteres Album mit ethnischem Jazz oder Jazz-Fusion einzuspielen, hat er mit dieser Aufnahme eine lupenreine Modern-Mainstream-CD veröffentlicht. Gemeinsam mit dem vielseitig und druckvoll spielenden DIETER ILG am Kontrabass, JEFF HIRSHFIELD am Schlagzeug und VIC JURIS an der Gitarre bläst sich der seit vielen Jahren in Köln lebende Saxophonist durch acht Original-Kompositionen, mit denen er den Bogen spannt über von Ornette Coleman inspirierte, freitonale Klangkaskaden, Rockfunk-Patterns bis hin zu swingendem Straight-Ahead. Dabei knüpft Mariano mit seinem auch heute noch leichtfüssigen Spiel an seine legendäre Zeit zu Beginn der 60er Jahre bei Charles Mingus an, ohne sich in Klischees und Selbstzitaten zu verfangen. Vor allem Vic Juris ist sowohl elektrisch verstärkt - und da zeigt sich die Verwandtschaft zu John Scofield - wie auch vor allem akustisch ein herausragender Partner. "Ein unerwartetes Meisterwerk und ein wunderbares Geburtstagsgeschenk zu seinem 75., das sich nur ein grosser Meister wie er leisten kann." (Jazzpodium)
 
 
line
 
 
Mittwoch 15.09.1999 - 20:30 Uhr
 
JOHN ABERCROMBIE Group
 
JOHN ABERCROMBIE (Guitar), DAN WALL (Hammond Organ), ADAM NUSSBAUM (Drums), MARK FELDMAN (Violin)
 
Seit Jahren steht der Gitarrist JOHN ABERCROMBIE ganz oben auf der Wunschliste der Jazz Club Programmacher und nun endlich ist es gelungen ihn nach Singen zu buchen. Und mit was für einer Gruppe: An der Hammond-Orgel DAN WALL, am Schlagzeug der exquisite Drum-Künstler ADAM NUSSBAUM und an der Geige der Alleskönner MARK FELDMAN, der dem Singener Publikum durch zahlreiche hochgelobte Auftritte wirklich nicht mehr unbekannt ist. Bereits 1992 kam es zum ersten Meeting dieser Musiker (allerdings ohne Feldman) und das überragende Ergebnis dieses Aufeinandertreffens von Abercrombies Gitarre mit der ohne Fusspedal gespielten Hammond-Orgel Dan Walls und den Schlagzeugkünsten Adam Nussbaums lautete seinerzeit "While We're Young". Das bereits dritte Album dieser Gruppe wurde live eingespielt in New York und erschien unter dem Titel "Tactics" wie die anderen beiden auf ECM. Es bringt mit zwei Ausnahmen Eigenkompositionen des Trios zu Gehör, darunter einen überaus gewichtigen *Last Waltz*, in dem das Trio seine pastellfarbene Melancholie, in einer so einzigartigen Klangfarbe auslebt, wie man sie wohl nur in dieser beseelten und perfekten Verzahnung von Gitarre und Orgel - dazu ein Schlagwerk der empfindsamen und filigransten Extraklasse - kolorieren und zueinanderbringen kann. Ein funkiger Leckerbissen der Blues *Bo Diddy* (wirklich kein L), ein perkussiv federleichtes Schlüsselerlebnis wenig später bei *You and the Night and the Music*, mystisch flirrende Gitarren-Klangfarben - getragen und immer wieder zentriert vom Orgelspiel Dan Walls -, dann in der Abercrombie Komposition *Dear Rain*. "Kurzum: Einer der Höhepunlkte der Saison, garantiert von höchstem Wiedererkennungswert und mit absoluter Sicherheit schon bald ein Klassiker dieses Genres." (Jazzthetik 4 Sterne)
 
 
line
 
 
Freitag 27.08.1999 - 20:30 Uhr
 
DAVE DOUGLAS »Charms of the Night Sky«
 
DAVE DOUGLAS (Trumpet), MARK FELDMAN (Violin), GUY KLUCEVSEK (Accordion), GREG COHEN (Bass), PETER BELMAN (Perc)
 
Jazzfans wissen, dass alle Jahre wieder Ende August in Willisau und Saalfelden zwei der bedeutendsten Jazzfestivals Europas stattfinden. Auch dieses Jahr ist es dem Jazz Club Singen wieder gelungen, einen der Höhepunkte dieser zwei Festivals nach Singen zu buchen: Den Trompeter DAVE DOUGLAS mit seiner Gruppe und seinem Programm *CHARMS OF THE NIGHT SKY*. Am Bass der u.a. von John Zorns Masada her bekannte GREG COHEN, an der Geige, der in Singen bestens eingeführte Alleskönner, MARK FELDMAN und am Akkordeon einer, den es in Singen noch zu entdecken gilt, der aber in Insiderkreisen schon Berühmtheit erlangt hat, GUY KLUCEVSEK. Mit genau dieser Besetzung hat Dave Douglas im letzten Jahr eine herausragende CD eingespielt, eben unter dem Titel *Charms of the Night Sky* (Winter & Winter). "Eines steht fest: Mit dieser CD ist Dave Douglas, dem kreativsten aller lebenden Jazztrompeter, eine famose Umsetzung geballter slawischer Mentalität in dunkle Töne gelungen. Niemand vermisst ein wohltemporiertes Piano oder bohrendes Drumming. Statt dessen verwandelt ein Quartett in der klassischen kammermusikalischen Besetzung des fahrenden Volkes Trauer in Leichtigkeit, Schmerz in Ironie, Melancholie in Sonne, Grau in Gold, Muzak in Jazz. Mit verhallten fanfarenähnlichen Tönen schleppt sich Douglas wie auf einem Leichenzug hinter Guy Klucevseks virtuosem Akkordeon her, springt frivol mit Mark Feldman über den Polkatanzboden, formt pittoreske Lyrik rund um Greg Cohens einsam wandelnden Bass oder erzählt einfach; mal aggressiv, dann wieder ruhig atmend, träumerisch versunken, auf der Suche nach einer besseren Zeit. Er schafft es, ein Stück von Herbie Hancock, *Little One*, das auf den ersten Blick überhaupt nicht in das Konzept zu passen scheint, völlig umzukrempeln. Man stelle sich vor: Ein Trompeter aus Montclair/New Jersey transportiert das Werk eines Jazzkomponisten aus Chicago in nur vier Minuten mitten hinein in eine von brüchig-vergänglichem Zauber erfüllte Landschaft irgendwo in der Taiga! Musik wie diese schafft es, jedes Dogma niederzureissen." (Jazzthetik 5 Sterne!!!) Ein absolutes Muss ist dieser Termin für alle Freunde des Jazz und moderner, zeitgenössischer Musik.
 
 
line
 
 
Mittwoch 07.07.1999 - 20:30 Uhr
 
DINO SALUZZI Family »Tango - Candombe«
 
DINO SALUZZI (Bandoneon), CELSO SALUZZI (Bandoneon), CUCHARA SALUZZI (Saxes/Clarinet), HORIO LOPEZ (Guitar), MATIAS SALUZZI (Bass), QUIQUE SINESI (Drums/Perc)
 
Der Jazz Club Singen freut sich ganz besonders endlich einen der führenden Bandoneonspieler in Singen präsentieren zu können. Die Rede ist von dem 1935 in Campo Santa, Argentinien, geborenen DINO SALUZZI, der mit seiner "Family" im wahrsten Sinne des Wortes "Weltmusik" zaubert: Tango, Tango Nuevo, Folk, Candina Music, Jazz und Candombe Music, die Musik der La Pampa-Provinz. Sie ist ein vitales Element in dieser "Kulturellen Symbiose". Der Candombe Rhythmus hat seinen Ursprung in Afrika und wurde während der Kolonialzeiten nach Süd-Amerika und hier vor allem nach Uruguay gebracht. Seine Wiederentdeckung durch die "Tango-Nuevo" Musiker hat sie zu einer neuen Ausdrucksfreiheit ermutigt und sein "offener" Rhythmus führt zu einem phantastischen "Drive". Zu seiner Gruppe, die zurecht den Titel "Family" trägt, gehören seine Brüder CELSO SALUZZI am Bandoneon und FELIX 'CUCHARA' SALUZZI an Saxophon und Klarinette, sein Sohn MATIAS SALUZZI am Bass, HORIO LOPEZ an der Gitarre und QUIQUE SINESI am Schlagzeug und verschiedenen Percussionsinstrumenten. Mit fast der gleichen Besetzung hat er eine hervorragende und überall hochgelobte CD eingespielt: *MOJOTORO* (ECM 1447) eingespielt. Wie immer bei Dino Saluzzi steht "Tango" dabei weniger für eine festgeschriebene musikalische Form und Struktur (oder gar Klischee), sondern für einen geheimnisvollen Sound, der sich aus verschiedenen musikalischen Quellen speist. "Ich will hier nicht den alten Streit aufwärmen, ob der Tango Nuevo nun Jazz ist oder nicht Jazz - oder was auch immer. Saluzzi phrasiert jedenfalls passagenweise wie ein Jazzmusiker. Aber die Musik ist eher doch kein Jazz, weil sie kaum swingt. Dennoch ist sie dem Jazz ganz nahe verwandt. Muss ich die Paradoxien noch weiter treiben? Kategorien werden einfach ab einem gewissen Niveau irrelevant. Saluzzis Musik ist einfach wunderbare, geniale und originelle Musik." (Jazzpodium)
 
 
line
 
 
Donnerstag 01.07.1999 - 20:30 Uhr
 
CORNELIUS CLAUDIO KREUSCH »BlackMudSound«
 
CORNELIUS C. KREUSCH (Piano/Vocals), ZAF ZAPHA (Bass/Vocals), CYRIL ATEF (Drums/Perc/Vocals)
 
"Jazz ist Zärtlichkeit und mächtige Gewalt" Das Motto seiner Karriere hat CORNELIUS CLAUDIO KREUSCH von der Schriftstellerin Gertrude Stein. Der 30-jährige Pianist hat in New York seine zweite Heimat gefunden. "Der Lärm New Yorks ist für mich der schönste Klangteppich, der Dreck auf den Strassen Patina", sagt der geborene Münchner. »BlackMudSound« heisst seine Band - und BlackMud, das ist der Ur-Schlamm des Nil, die brodelnde Mixtur aus Funk, Jazz und Afrika im New Yorker Labyrith der Kulturen. "It is the sound of dancing feet, clapping hands and singing voices. BlackMudSound is of all colours and becomes one with all - people", beschreibt Kreusch es auf dem Cover seiner CD *Scoop* (ACT Music - Jazzthetik 5 Sterne!). Man braucht mehr als nur Talent, um sich in der Heimatstadt des Jazz durchzusetzen, sich vom Manager des legedären Jazz-Clubs *Sweet Basil* nachsagen zu lassen: "Cornelius ist ein absolutes Phänomen." Kreusch plant seine Projekte nicht umständlich, kauft sich nicht für teures Geld All-Star-Groups zusammen, sondern geht impulsiv auf die Musiker zu. In Singen wird er begleitet von dem Schlagzeuger und Percussionisten CYRIL ATEF und dem Bassisten ZAF ZAPHA, die beide wie auch Kreusch selber die Stimme als zusätzliches Instrument einsetzen. Puristen seien gleich gewarnt: Stilgrenzen empfindet der unverschämt begabte Pianist nur als einengende Fesseln seiner übersprudelnden Kreativität. Seine Musik hat knackigen Groove und delikate Sensibilität, ist mal nervös und aufgekratzt, mal elegant durchgestylt. Die Themen sind durchweg fast "poppig" eingängig, die Rhythmen insistierend, packend. So schlägt Kreusch Brücken zwischen Cool Jazz und Black Poetry, zwischen urbanem Funk und Afro-Pop - eine durchaus elektrisierende Mixtur der Kulturen.
 
 
line
 
 
Donnerstag 17.06.1999 - 20:30 Uhr
 
NILS LANDGREN »Funk Unit«
 
NILS LANDGREN (Trombone/Vocals), MAGNUM COLTRANE PRICE (Bass/Vocals), ESBJÖRN SVENSSON (Keyboards), PER 'RUSKTRÄSK' JOHANSSON (Saxophone), HENRIK JANSSON (Guitar), AKE SUNDQVIST (Drums)
 
Es gibt diese magischen Momente. Die Musiker gehen auf die Bühne, zählen die erste Nummer ein und mit einem Mal herrscht jene besondere Stimmung im Raum, die aus einem Konzertabend ein unvergessliches Erlebnis macht. Gesellt sich zu der Spannung im Saal auch noch ein erfahrener Produzent mit seiner Bandmaschine, so wird es möglich, dass das flüchtige Ereignis sogar in die Jazz'n'Funk-Analen eingehen kann. "Wir hatten gar nicht vor, aus der Aufnahme von NILS LANDGREN eine CD zu machen, aber dann war das Konzert so unglaublich gut, dass wir gar nicht anders konnten." *Live in Montreux (ACT 9265-2) ist in vieler Hinsicht eine ungewöhnliche Produktion. Sie vereinigt Perfektion und Präzision, Spielfreude und Humor, Ausgelassenheit und arrangierte Disziplin in eleganter Weise. Denn zahlreiche Konzerttermine im Anschluss an die mit dem Jazz Award '97 ausgezeichnete CD *Paint It Blue* haben aus dem Posaunisten Nils Landgren, der Anfang der 80er erster Posaunist in der neuen Thad Jones Bigband war, und seiner Funk Unit eine homogen agierende und sensibel kommunizierende Bandgemeinschaft gemacht. Für das derzeit wohl schwärzeste Nordlicht bedeutete der Auftritt in der ehrwürdigen Mils Davis Hall zu Montreux eine Traumerfüllung. Dem Hörer eröffnet sich ein ausgewogener Querschnitt aus Coverversionen von Zawinul und Adderley, Landgrenschen Eigenkompositionen, einem Stück aus der Feder des mittlerweile vielbeachteten Unit Members, dem Keyboarder ESBJÖRN SVENSSON, und schwedischen Traditionals mit melodisch klingenden Titeln. Trotz aller Affinität zum pechschwarzen Sound verleugnet der Skandinavier seine Herkunft also beileibe nicht. Aber keine Frage, dass die beiden grossen Inspirationen des Posaunisten allgegenwärtig und in jeder Minute zu verspüren sind. *Cannonball* Adderley, der dem Jazz einst einen ungewohnten Entertainment-Faktor und Funk verpasste, und natürlich auch Maceo Parker. Nils Landgren *Funk Unit* in der Gems, very live!!! Jazzthetik vergab 4 Sterne für die Montreux CD!
 
 
line
 
 
Donnerstag 03.06.1999 - 20:30 Uhr
 
PAUL MOTIAN & »The Electric Bebop Band«
 
PAUL MOTIAN (Drums), PIETRO TONOLO (TenorSax), CHRIS CHEEK (TenorSax), KURT ROSENWINKEL (Guitar), STEVE CARDENAS (Guitar), STEVE SWALLOW (Bass)
 
Heute gilt der 65-jährige Schlagzeuger PAUL MOTIAN als einer der Väter der Jazz-Avantgarde, was ihn zwar mit Stolz erfüllt, aber auch etwas verwirrt, gehört seine wahre Liebe doch immer noch dem Bebop. Eines vorweg aber: wer jetzt dazu neigt anzunehmen, Motian sei nun auf seine alten Tage noch in das Lager der Neo-Traditionalisten übergelaufen, liegt natürlich völlig falsch. Schon ein Blick auf die Besetzung seiner elektrischen Bebop Bande belehrt uns eines besseren. Neben STEVE SWALLOW am Bass hat sich der Leader wieder eine betont junge Gruppe zusammengestellt: PIETRO TONOLO und CHRIS CHEEK an den Saxophonen (Letzterer auch schon zu Gast in Singen) sowie STEVE CARDENAS und KURT ROSENWINKEL an den elektrischen Gitarren stürzen sich mit Elan auf die Bebop-Themen, als seien diese erst gestern geschrieben worden. Die musikalischen Ergebnisse sind alles andere als dröge Wiederaufbereitung. Respekt vor der Tradition vereinigt sich unter Motians Regie mit dem entschiedenen Willen zur zeitgemässen Interpretation. Vier Melodieinstrumente nehmen sich also der Bebop-Themen an: Unisonopassagen gehen über in kontrastive Wechsel, Themen werden umspielt, Saxophone solieren im Duo um dann das Feld den elektrischen Gitarren zu überlassen - und erreichen dadurch eine lebendige Traditionspflege, die erahnen lässt, wie kühn und wild diese Musik einst gewesen ist. All das begleitet von den beiden Mastermusicians Paul Motian und Steve Swallow, deren Spiel auch dann noch charakteristisch klingt, wenn sie scheinbar "normal" und "straight" begleiten. Die Zeitschrift Audio schrieb über Motians CD *Flight of the Blue Jay* (Winter & Winter): "Sie übertragen den Geist des Bop ohne Kniefälle vor der Vergangenheit auf die Moderne: Die Bebop-Interpretationen klingen, als seien sie nicht fünfzig Jahre, sondern fünfzig Tage alt."
 
 
line
 
 
Donnerstag 20.05.1999 - 20:30 Uhr
 
NEW JAZZ TRIO feat. FERRIS / SCHÖB / PONTIGGIA
 
MICHAEL ARBENZ (Piano), FRIEDEMANN RABE (Bass), FLORIAN ARBENZ (Drums), GLENN FERRIS (Posaune), CARLO SCHÖB (Saxophon), CLAUDIO PONTIGGIA (Waldhorn)
 
Das Schweizer NEW JAZZ TRIO des Basler Pianisten MICHAEL ARBENZ existiert bereits seit dem Herbst 1993. In einer Zeit von intensiver Zusammenarbeit gelang es der Gruppe, zu der noch der Bassist FRIEDEMANN RABE und der Schlagzeuger FLORIAN ARBENZ gehören, die verschiedenen Aspekte einer Trioformation hervorzuheben. Da alle Musiker ausgedehnte Erfahrungen mit klassischer Musik haben, versuchen sie auch deren Elemente in ihre Musik zu integrieren. Wichtig ist ihnen die Gleichheit der drei Musiker, was die Musik flexibel und vielfältig macht und ihnen erlaubt, ihre Ideen spontan zu verwirklichen. So bleibt die Musik eine, die stets im Moment entsteht und durch ihre Farb- und Stimmungswechsel überrascht. Wichtig sind aber auch die Eigenkompositionen der drei Musiker, in denen der Jazz durch andere Einflüsse erweitert und erneuert wird, obwohl die Musiker die Jazztradition nie verleugnen. So steht das New Jazz Trio in der Tradition der Klaviertrios von Bill Evans, Chick Corea oder Keith Jarrett. In all den Jahren haben sie immer wieder Gastsolisten hinzugezogen. Nach Singen kommen sie nun gar mit drei europäischen Spitzenmusikern, mit denen sie auch ihre neueste Cd eingespielt haben. An der Posaune einer der besten seines Fachs, der in Paris lebende Amerikaner GLENN FERRIS, an verschiedenen Saxophonen der aus dem Thurgau stammende CARLO SCHÖB und am Waldhorn der in Singen bestens vom Vienna Art Orchestra bekannte CLAUDIO PONTIGGIA.
 
 
line
 
 
Sonntag 16.05.1999 Matinée - 11:00 Uhr
 
IRON WERTHER Jazz Quartet & CONFUSION
 
Zeitgleich mit dem 10jährigen Bestehen des Jazzclub Singen feiert auch eine Jazzcombo, die eng mit der Geschichte des Clubs verbunden ist, ihr 10jähriges: Das IRON WERTHER JAZZ QUARTET. Namensgeber ist der Saxophonist und Leiter der Combo IRON WERTHER, der in diesem Jahr auch noch sein 25jähriges Bühnenjubiläum als Musiker feiert. In dieser langen Zeit spielte er auch mit einigen Grossen des Jazz und gewann zahlreiche Auszeichnungen. Auch die anderen Mitglieder des Quartetts können auf eine lange musikalische Laufbahn zurückblicken. Der Pianist MANFRED WANGERIN, der Bassist KARSTEN KOST und der Schlagzeuger GERI GEMEINWIESER, bekannt auch durch seine 10jährige Trommelarbeit bei den Oberholz Cake Walkers. Dass sich auch immer wieder junge Leute für die Jazzmusik und auch für den Jazzclub und seine Konzerte begeistern, zeigt das Singener Quartett CONFUSION. Die junge Gruppe besteht in der aktuellen Besetzung zwar erst seit einem knappen Jahr und kann bereits auf etliche erfolgreiche Auftritte und auf den Gewinn eines Jazzwettbewerbs verweisen. Im Januar 99 wurde die erste eigene CD eingespielt. Confusion, das sind FLORIAN BRÜTSCH am Schlagzeug, SIMON HARRER an der Posaune, PASCAL NIGGENKEMPER am Bass und CHRISTIAN SCHILLER mit seiner Gitarre. Der Jazz Club Singen freut sich darauf, neben einer schon traditionsreichen Band auch eine junge, frische Formation präsentieren zu können. Beide Bands werden im Verlauf der Matinee auch zu einer gemeinsamen Session zusammenfinden.
 
 
line
 
 
Freitag 07.05.1999 - 20:30 Uhr
 
DEWEY REDMAN Quartet
 
DEWEY REDMAN (Saxophones), RITA MARCOTULLI (Piano), JOHN MENAGON (Bass), MATT WILSON (Drums)
 
Die renommierte deutsche Jazzzeitschrift "Jazzthetik" schreibt über DEWEY REDMAN's letzte, live in London im Oktober 1996 eingespielte CD mit dem Titel *In London* (Palmetto PM 2030/Efa): "Die Mechanismen von Medien und Markt gegenüber der Kunst haben am Beispiel der Saxophonisten Dewey und Joshua Redman eine besondere Pikanterie gewonnen. Dem hyperventilierten Erfolg von Joshua Anfang der 90er Jahre steht beim Vater Dewey Redman zwar breite musikalische Anerkennung von Kollegen und (sogar) Kritikern gegenüber, jedoch nur spärlichste Veröffentlichungspräsenz und das bei einem Mann mit jazzhistorischer! Bedeutung, Mitglied im Ornette Coleman Quartet oder gleich darauf im amerikanischen Quartett von Keith Jarrett, mit grossem Tenorton von saftiger texanischer Qualität und, vor allem, Persönlichkeit. Jetzt liegt endlich mit o.g. CD wieder eine hervorragende Aufnahme vor, eingespielt live im Ronnie Scotts Club in London. Wie 'the late great' George Adams oder Archie Shepp kehrt auch Dewey Redman mit fortschreitendem Alter zu den Wurzeln zurück: Balladen von hoher Eindringlichkeit, geradezu zwingender Ökonomie, lupenreiner Bop, mit swingendem Horn wie weiland Dexter Gordon, umranken das erwartete, eher Freiere, das nunmehr wohldosiert und bei weitem nicht mehr out erklingt. Damit wird diese CD zum Showcase der stilistischen Bandbreite des Leaders, und wirkt so unterhaltsam wie authentisch. Bei soviel lockerer Qualität fragt man sich wirklich, warum dieser Mann heute nicht mehr Aufmerksamkeit bekommt. Attention must be paid - Man muss diesen Mann hören." (4 Sterne CD-Bewertung). Ausser dem Bassisten JOHN MENAGON waren seine Begleitmusiker schon in Singen zu hören, die junge italienische Pianistin RITA MARCOTULLI und der "neue Star am Schlagzeughimmel" (Jazzpodium) MATT WILSON (1997 mit dem Cecil McBee Quintett).
 
 
line
 
 
BODENSEEFESTIVAL 1999
Montag 03.05.1999 - 20:30 Uhr Gems
 
VIENNA ART ORCHESTRA »Duke Ellington's Sound of Love«
 
TROMPETE: THORSTEN BENKENSTEIN, MATTHIEU MICHEL, THOMAS GANSCH
SAXOPHON: KLAUS DICKBAUER, FLORIAN BRAMBÖCK, ANDY SCHERRER, HERWIG GRADISCHNIG, HARRY SOKAL
POSAUNE: ROBERT BACHNER, CHARLY WAGNER, CHRISTIAN MUTHSPIEL
WALDHORN: ARKADY SHILKLOPER / GITARRE: WOLFGANG MUTHSPIEL / BASS: GEORG BREINSCHMIED / DRUMS: MARIO GONZI
LEITUNG: MATHIAS RÜEGG
 
TEIL I: DER TRADITIONELLE ELLINGTON (komponiert und arrangiert von Duke Ellington)
 
TEIL II: DER MODERNE ELLINGTON (komponiert von Duke Ellington / arrangiert von Mathias Rüegg)
 
TEIL III: DER INTIME ELLINGTON (komponiert von Duke Ellington / arrangiert von Mathias Rüegg)
 
Anlässlich des 100. Geburtstags von Duke Ellington widmet das VIENNA ART ORCHESTRA dem grossen amerikanischen Jazzmusiker, Komponisten, Pianisten und Bandleader die vierte Personale nach den Programmen für Erik Satie, Eric Dolphy und George Gershwin. Das international besetzte Jazzorchester versucht vor allem drei Aspekte in Ellingtons Schaffen zu beleuchten: Ellingtons Songs, von denen sich über 1000 in seinem Nachlass finden, Ellingtons wegweisende Suiten sowie seine bekannten Kompositionen. Die Hälfte des Programms wird nach Originalpartituren gespielt, die andere Hälfte in einer Bearbeitung von MATHIAS RÜEGG. So ergibt sich eine Mischung aus dem Sound von Ellington und dem des VAO, das auch im 22. Jahr seines Bestehens noch immer alle Register seines Könnens zieht und bereits zum zweiten mal beim Jazz Club Singen mit neuen Musikern und neuem Programm aufwarten wird.
 
 
line
 
 
Donnerstag 29.04.1999 - 20:30 Uhr
 
JIM HALL Group
 
JIM HALL (Guitar), CHRIS POTTER (TenorSax), SCOTT COLLEY (Bass), TERRY CLARKE (Drums), SONNY BROWN (Perc)
 
Nur wenigen Jazzmusikern war es bisher vergönnt in die "Hall of Fame", die Ehrenhalle der besten Jazzmusiker aufgenommen zu werden, und nur ganz wenige haben bisher den "JazzPar Preis", den Nobelpreis für Jazzmusiker, erhalten. Einer von Ihnen kommt im Rahmen der 10jährigen-Jubiläumskonzerte zum Jazz Club Singen: Der am 4. 12. 1930 in Buffalo geborene James Stanley Hall - besser bekannt als JIM HALL. Und er kommt mit seiner bestens, seit Jahren eingespielten Rhythmusgruppe am Bass SCOTT COLLEY, am Schlagzeug TERRY CLARKE, Percussion SONNY BROWN. Ergänzt wird die Band durch den jungen bereits äusserst eigenständigen Tenorsaxophonisten CHRIS POTTER, der bereits mit Steve Swallow in Singen zu bewundern war. Mit seinem konzentrierten, lyrischen Spiel und dem klaren, warmen, bislang wohl natürlichsten elektrischen Sound aller Gitarristen empfiehlt sich Jim Hall als ein "Bill Evans der Gitarre". Barney Kessel hat die stets durchdachte, vor allem in bedeutsamen Duo-Aufnahmen dokumentierte Solo- und Begleitarbeit seines Kollegen so charakterisiert: "Es ist ein Stil, der sich nicht eindeutig in eine Richtung festlegt. Es ist mehr wie ein Arrangement von Feuerwerken, das delikate Harmonien, Melodie und Rhythmus zu einem brillianten Bild verschweisst." John Scofield vergleicht seine Art, dem Instrument Töne zu entlocken, mit der eines Sängers. Aber nicht nur Sco, sondern auch Pat Metheny oder Bill Frisell sind voll des Lobes, wenn die Rede auf Jim Hall kommt. Kaum ein Jazzgitarrist heutiger Tage, der ihn nicht als wichtiges Vorbild angibt, wobei es noch keinem gelungen ist, ihn zu kopieren. Vielleicht besteht ein grosser Teil seiner Vorbildfunktion gerade in der absoluten Individualität seines Stils.
 
MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG SPARKASSE SINGEN-RADOLFZELL
 
 
line
 
 
Freitag 09.04.1999 - 20:30 Uhr
 
ENRICO RAVA »Plays Italian Composers«
 
ENRICO RAVA (Trompete), ROBERTO CECCHETTO (Gitarre), DOMENICO CALIRI (Gitarre), GIOVANNI MAIER (Bass), U.T. GANDHI (Drums)
 
Der Trompeter ENRICO RAVA wurde am 20. August 1943 in Triest geboren und zählt heute zu den führenden europäischen Jazzmusikern. In seiner langen Laufbahn hat er mit vielen Grössen des modernen Jazz gespielt und hat immer wieder eigene Gruppen geleitet. Sein neuestes Projekt: "Enrico Rava plays Italian Composers" ist eine Aufarbeitung von Opernmelodien Puccinis, Filmmusik des Fellini Komponisten Nino Rota und anderer italienischer Komponisten für eine Jazzband. "In Italien kann man der Oper nicht entfliehen", meint Enrico Rava, "sie ist ständig präsent, nicht nur in den Unterhaltungsmedien Radio und Fernsehen, sondern auch auf der Strasse. Die Oper ist Teil unserer Alltagskultur." Rava war immer ein Fan von Miles Davis und Chet Baker, doch später wurde ihm bewusst, dass er auch eine Vorliebe für die Callas besass. Nichts lag daher näher, als beide Vorlieben miteinander zu verbinden. Vor allem die Kompositionen von Puccini eigneten sich besonders gut, um sie 'jazzmässig' zu vertonen. "Ich musste gleich an Gil Evans denken", so Rava, "an seine Zusammenarbeit mit Miles." Nachdem er nun zwei CDs mit Opernmelodien (*Carmen*“ und *Rava l'Opera va* auf Label Bleu) und grossem Ensemble vorgelegt hat, wollte er dieses Konzept auch live vorstellen. "15 Musiker auf der Bühne, dies übersteigt heutzutage die finanziellen Möglichkeiten der meisten Veranstalter." So war es konsequent, die Musik umzuschreiben und zu versuchen, die Kompositionen auch für kleinere Ensembles umzuarbeiten, ohne dass das "italienische Flair" der Stücke verlorengeht. Sein weicher Trompetenton ist wie der zarte Schmelz in der Stimme des Startenors in der Oper, Rava intoniert Arien, während seine hervorragenen Mitmusiker gleichzeitig swingen und dramatische Opern-Klangfarben produzieren. Zur Band gehören die Gitarristen ROBERTO CECCHETTO und DOMENICO CALIRI, der Bassist GIOVANNI MAIER und der Drummer U.T. GANDHI. Sie werden das Publikum davon überzeugen, dass europäische Musik noch so viel Neues zu entdecken bietet, was mit dem Jazz zu einer zeitgemässen und spannenden Musik verschmolzen werden kann.
 
 
line
 
 
Mittwoch 24.03.1999 - 20:30 Uhr
 
RANDY WESTON »African Rhythms«
 
RANDY WESTON (Piano), TALIB KIBWE (Saxophone/Flute), ALEX BLAKE (Bass), NEIL CLARKE (Percussion)
 
Unermüdlich reist der Pianist, Komponist und Bandleader RANDY WESTON von Land zu Land, um seine Botschaft von der spirituellen Kraft der Musik in die Herzen seiner Zuhörer zu tragen. Priester, Magier und Therapeut in einem, versetzt er sein Publikum mit Musik, welche die Erdschwere des Augenblicks vergessen macht, in einen Zustand gleichzeitiger körperlicher Entspanntheit und geistiger Schwerelosigkeit, nach dem man süchtig werden kann. Musik als Therapeutikum für die im Hier und Jetzt befangene Seele und als Medium, das Transzendentes in welcher Form auch immer unmittelbar zugänglich macht - für die Dauer eines Konzertes, vielleicht auch länger. "Musik ist für mich die reine Spiritualität. Das kann man auch daran ersehen, dass der geistigen Kraft der Musik in allen Religionen eine wichtige Rolle zukommt. Und egal, welchen Glauben du hast, die Musik verschafft dir den direkten Kontakt mit dem Schöpfer", so Weston in einem Interview. Musik als Ausdruck einer universellen Spiritualität - ist es da nicht in einer symbolischen Sicht bezeichnend, dass Westons musikalische Sprache von der Afrikas durchtränkt ist, des Kontinents, von dem die ersten Menschen stammen sollen? Der 1926 in New York geborene Weston, der sich in früheren Jahren an einigen in die Legende eingegangenen Tastenkünstlern gerieben hatte - am pianistischen Urgestein Monk, an Elmo Hope und Herbie Nichols, sammelte auf mehreren Afrika-Reisen sowie einem fünfjährigen Marokko-Aufenthalt all die Erfahrungen, welche zusammen mit seinem Jazzhintergrund (zum Schatten Monks tritt dabei jener Dukes) seinen musikalischen Mikrokosmos abstecken: Ein Raum voller Nischen, welche die Seele zum Verweilen einladen. Nach den beiden aufsehenerregenden CD-Grossprojekten *The Spirits of Our Ancestors* und *Volcano Blues* erschien im letzten Jahr auch auf dem Label Verve/Gitanes seine letzte CD *Khepera*. "Die pure Essenz! Khepera - das Meisterwerk eines Jazzpiano-Giganten!" (Jazzthetik 11/98, Fünf Sterne). Nach seinem legendären Auftritt beim Singener Jazzfestival 1993 nun wieder live beim Jazzclub. Mit dabei der Saxophonist TALIB KIBWE, der Bassist ALEX BLAKE und der Percussionist NEIL CLARKE.
 
MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG SINGENER WOCHENBLATT
 
 
line
 
 
Freitag 12.03.1999 - 20:30 Uhr
 
ERIC WATSON Trio
 
ERIC WATSON (Piano), MARK DRESSER (Bass), ED THIGPEN (Drums)
 
Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Gelingt es, diese auch noch unter einen Hut zu bringen, kann nur etwas Spannendes dabei herauskommen. Bestes Beispiel für einen solchen Synergieeffekt ist das Trio des amerikanischen, in Paris lebenden Jazzpianisten ERIC WATSON. Eine ausgeprägte romantische Ader, eine Vorliebe für ausladende, klangmalerische Intros und Sinn für Humor machen den herausragenden Tastenkünstler aus. Watson, Absolvent des Oberlin-Konservatoriums, geht unbestreitbar seinen eigenen Weg und tut das überzeugend. Nichtsdestotrotz liegt dieser Weg nicht allzuweit des Mainstreams. MARK DRESSERS 'Ding' ist das eigentlich gar nicht. Der Kontrabassist ist in der New Yorker Avantgarde-Szene zuhause und alles andere als ein zahmer, solider Sideman. Doch Watson degradiert seine Mitspieler auch nicht zur Rhythmusgruppe. Bereitwillig lässt er sich auf ihre Ideenwelten ein und gewährt ihnen reichlich Entfaltungsmöglichkeiten. So auch dem Dritten im Bunde, Swing-Koryphäe und ehemaliger Schlagzeuger im Oscar Peterson Trio: ED THIGPEN. Seine fast 70 Jahre sieht man dem schwarzen Wahl-Dänen nicht nur nicht an, man hört auch nichts davon - einmal abgesehen von dem unglaublichen Groove-Gefühl, das seine jahrzehntelange Erfahrung unverkennbar "vor Ohren" führt. Seine Flexibilität und Offenheit für unorthodoxe Ideen machen ihn zu einem absolut jungen Musiker. Alle drei sind sich der Möglichkeiten ihrer Konstellation bewusst und schöpfen sie entsprechend aus - nicht etwa rein intellektuell und ernst, sondern mit Humor und Mut zu spontaner Verspieltheit. Von einem zum anderen Stück wechselt Watson von hypersensibler Anschlagskunst zu brachialen Tastengewittern. Dresser, der sich gern in zarten Flageolett-Klängen ergeht, schlägt plötzlich mit weiten Ausholbewegungen in die Saiten und Thigpen legt die Besen zur Seite und macht an seinem eher sparsamen Drumset mächtig Druck.
 
MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG MIGROS OSTSCHWEIZ
 
 
line
 
 
Donnerstag 25.02.1999 - 20:30 Uhr
 
FELDMAN / PUSCHNIG / REIJSEGER
 
MARK FELDMAN (Geige), WOLFGANG PUSCHNIG (Saxophone), ERNST REIJSEGER (Cello)
 
Auf den ersten Blick glaubt man, es handelt sich um das hervorragende Stringtrio Arcado. Aber nein, da fehlt der Bass. Dieser wird ersetzt durch den österreichischen Altsaxophonisten, Komponisten und Tausendsassa auf allen Jazz und Improvisationsbühnen dieser Welt WOLFGANG PUSCHNIG. Er ist ausserdem Mitbegründer des Vienna Art Orchestras, dessen Stil er für viele Jahre entscheidend geprägt hat. Vor Jahren hat er mit Christof Lauer ein überaus stimmiges Konzert in Singen abgeliefert. Die beiden anderen Musiker gehören nun tatsächlich zum Arcado-Stringtrio. Zum einen der aus USA kommende Geigenvirtuose und in allen Stilen (z.B. auch in der Country Music) bewanderte MARK FELDMAN. Er ist einer der gefragtesten Musiker der New Yorker Szene und war schon mehrfach Gast in Singen z.B. eben mit Arcado, dem Mark Helias Quartett und der Dave Douglas String Group. Besucher dieser Konzerte schwärmen noch heute von diesem Musiker und seinen Qualitäten. Last but not least ergänzt der holländische Cellist ERNST REIJSEGER die beiden zum Trio. Auch ihn muss man nicht mehr vorstellen. Er war in Singen zu hören mit dem Clusone Trio und dem ICP-Orchestra unter Leitung von Misha Mengelberg. Er ist bestimmt einer der wichtigsten Erneuerer im weiten Feld der improvisierten Musik. Letztes Jahr hat er seine ersten Solo-CD auf dem deutschen Label Winter & Winter unter dem Titel *Colla Parte* veröffentlicht. Eine Solo Cello CD, die einen von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselt, soweit man bereit ist, sich auf ein Hörabenteuer besonderer Art einzulassen. Drei Solisten, drei Individualisten, drei Könner auf ihren Instrumenten und ein neues Trio, das all diese Fähigkeiten bündelt und sicher zu einem musikalischen Ganzen werden lässt. Bei der Qualität dieser drei Musiker braucht man keine Angst haben, dass drei Solisten auf einem Egotrip nebeneinander herspielen werden. Sie sind alle so erfahren und im Zusammenspiel mit anderen Musikern geübt, dass sie bestimmt ein Konzert auf höchstem Niveau abliefern werden.
 
 
line
 
 
Freitag 19.02.1999 - 20:30 Uhr
 
JIM BLACK's »Pachora«
 
JIM BLACK (Drums), CHRIS SPEED (Clarinet/TenorSax), BRAD SHEPIK (Portuguese Guitar/Saz), SKULI SVERISSON (E-Bass)
 
Die Gruppe PACHORA ist eine der aufregendsten Bands der New Yorker 'Donwtown'-Szene. Ihre Mischung von Musik-Traditionen des Balkans, Bulgariens, der Türkei und verschiedenen Nordafrikanischen Stilen mit der Ästhetik der Avantgarde-Jazz-Improvisation ist äusserst beeindruckend und zwingend. Dabei haben sie einen fast schon telepathischen Level von Kommunikation und Interaktion erreicht, der nur durch regelmässiges Miteinanderspielen zustande kommt. Die Band hat ihre Wurzeln in Seattle, woher drei der Musiker stammen, der Bassist SKULI SVERRISSON ist gebürtiger Isländer. Alle haben in den Bands von Tim Berne, Human Feel, Dave Douglas, Myra Melford, Paul Motian, Ellery Eskelin usw. gespielt und waren auch schon beim Jazz Club Singen zu Gast: Der phantastische junge Schlagzeuger JIM BLACK, der Gitarrist BRAD SHEPIK und der Saxophonist und Klarinettist CHRIS SPEED. Pachora ist ein Teil des aktuellen New Yorker Trends, der traditionelle Musikformen und Jazzimprovisation verbindet. Die erste Welle dieser Suche nach neuen Formen fand in den siebziger Jahren statt mit Künstlern wie Leo Smith, Don Cherry und anderen, die für die sog. Stilrichtung 'Weltmusik' stehen. In den neunziger Jahren wurde eine zweite, weitaus intensivere Welle dieser Entdeckungsfahrt in Gang gesetzt, vor allem nun auch unter Einbezug jüdischer Klezmer und osteuropäischer Musik- und Improvisationsstile. Die Musiker der Band Pachora haben sich intensiv mit den Traditionen all dieser Musikstile befasst, bevor sie sie in Verbindung mit der Jazzästethik gebracht haben. Sie kreieren aus einem mediterranen Fundament eine Art Balkan-Jazz. Ziel dabei ist nicht, Jazz mit ein wenig ethnischen Einflüssen zu präsentieren, sondern sie bringen die Ästhetik der Jazzimprovisation in diese musikalischen Traditionen (und natürlich umgekehrt). Hierbei geht es nicht mehr um die Frage, ist dies noch Jazz oder nicht, sondern einfach um eine musikalische Entdeckungsreise in neue Bereiche. "LOVE IT - OR LEAVE IT"...
 
 
line
 
 
Donnerstag 28.01.1999 - 20:30 Uhr
 
SIMON NABATOV Trio
 
SIMON NABATOV (Piano), MARK HELIAS (Bass), TOM RAINEY (Drums)
 
Letztes Jahr war er zweimal beim Jazz Club Singen zu Gast. Im Februar solo und im März als Pianist des Nils Wogram Quartetts: SIMON NABATOV. Nach seinem fulminanten Soloauftritt, von dem die Zuschauer heute noch schwärmen, kommt er nun mit seinem eigenen Trio nach Singen. Am Bass wird er einen alten Bekannten des Jazz Club mitbringen, den Allrounder auf allerhöchstem Niveau MARK HELIAS. Sein Bassspiel wird weniger durch technische Virtuosität als vielmehr durch Präzision und Melodik geprägt. Am Schlagzeug wird TOM RAINEY sitzen. Er besticht vor allem durch seine Präzision. Sein Spiel ist unaufdringlich, bewegt sich im Hintergrund und baut den Boden für die komplexen Takt- und Tempoverschiebungen. Mit diesen beiden Musikern spielt Nabatov seit Jahren zusammen und hat auf dem Münchner Label ENJA eine starke CD unter dem Titel *TOUGH CUSTOMER* veröffentlicht, wobei fast selbstverständlich ist, dass alle Kompositionen von ihm selber geschrieben wurden. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete, 1959 in Moskau geborene und mittlerweile in Deutschland lebende, Pianist ist ein wahrer Alleskönner, dem keine Passage zu schwer ist und der buchstäblich alle Jazzstile kennt, der sich in der alten Welt des Ragtime genauso zu Hause fühlt wie in den luftigen Sphären des Free Jazz. Er scheint sich oft in „normalen“ Jazzkontexten dermassen zu langweilen, dass er sich ständig neuen selbstgebastelten Herausforderungen stellen zu müssen scheint. Seine hyperkomplexen Eigenkompositionen stecken voller rhythmischer Gangwechsel, kaum gibt es da einen Takt, der im gleichen Metrum angelegt ist wie sein Nachfolger. Dabei erinnern die höchst durchdachten Werke hin und wieder an die genialen Stücke des legendären Pianisten Herbie Nichols. Pressestimmen: "Simon Nabatovs Pianospiel ist schwer auf einen Nenner zu bringen, da er so gut wie alles beherrscht, die Pianissimo-Passagen gehen ihm genau so leicht von der Hand wie der rhythmisch harte Anschlag, romantische und impressionistische Klaviertradition klingt bei dem klassisch geschulten Virtuosen immer wieder durch und gibt dem Trio eine eigene Klangfarbe." (Badische Zeitung). "Simon Nabatov wird viele Zuhörer durch die rhythmische Präzision, die Kraft, Dichte und Sensibilität sowie durch seine an chamäleonhafte Wandlungsfähigkeit grenzende stilistische Vielseitigkeit am nachhaltigsten beindruckt haben." (Südkurier, Carlo Schultheiss)
 
 
line
 
 
Freitag 08.01.1999 - 20:30 Uhr
 
CÉCILE VERNY Quartet »Got a Ticket«
 
CÉCILE VERNY (Gesang), ANDREAS ERCHINGER (Piano), BERND HEITZLER (Bass), MATTHIAS DANECK (Drums)
 
Eine musikalische Reise durch die Landschaften des Jazz und seiner Randgebiete. Mit Träumen und Erwarten, Kofferpacken und Abschiednehmen. In unerwarteten Turbulenzen und lang ersehnter Ruhe Fremdes und Bekanntes wiederentdecken. Jazz-Soul-Gospel und natürlich auch der Hometown-Blues dürfen dabei nicht fehlen. Auf ihrer ersten CD *GOT A TICKET* stellt dievon der Elfenbeinküste stammende schwarze Sängerin CÉCILE VERNY vornehmlich Eigenkompositionen in einer stilistischen Vielfältigkeit vor, die den Vergleich mit oben erwähnter Reise verständlich macht. Mal rhythmisch swingend, manchmal verträumt balladesk, dann wieder latin-beeinflusster Bebop und traditioneller Jazz-Gesang. Das Quartett um die ebenso brillante wie reizende Sängerin Cécile Verny entführt den Hörer auf eine lustvolle Suche nach neuen Wegen, abseits der ausgetretenen Pfade, ohne Angst vor sprachlichen und stilistischen Grenzüberschreitungen. So sind neben den glänzenden Arrangements die Texte sehr emotional und stimmungsvoll. Verny hat das richtige Gefühl für den Swing, trifft immer genau die verschiedenen Stimmungs-Eigenschaften und brilliert vor allem druch ihre gesanglichen Improvisationen. Begleitet wird sie dabei von dem Pianisten ANDREAS ERCHINGER, ein hervorragender Gesangs-Begleiter und Hauptkomponist der Band, dem Bassisten BERND HEITZLER und dem Schlagzeuger MATTHIAS DANECK. "Die CD ist etwas für Liebhaber des Jazzgesangs und des traditionellen Jazzquartetts" (Jazzthetik 4! Sterne)
 

line

 

Text: R. Kolmstetter

[ Jazz Club Singen - aktuelles Programm | Jazz Club Singen ]